Streuobstgruppe Frielendorf kümmert sich um Apfelbäume und deren Früchte

Altes Wissen neu lernen

Und feste drücken: Albert De Ruider (von links), Zora Alder und Lisabeth Laufer schuften an der Presse, um aus den Früchten leckeren Apfelsaft zu gewinnen. Fotos:  Haaß

Großropperhausen. Auf dem Kunst- und Werkhof in Großropperhausen herrschte emsige Betriebsamkeit. Zahlreiche Kinder und Erwachsene waren am Wochenende mit Freude bei der Sache und halfen der Streuobstgruppe Frielendorf, Apfelsaft herzustellen.

„Allein von einem Apfelbaum in Allendorf haben wir fünf Zentner Äpfel bekommen“, berichtete Jürgen Schwalenstöcker von der Streuobstgruppe, während hinter ihm Liter um Liter des trüben Safts aus der Presse liefen. Gemeinsam mit Thomas Trieschmann fungiert Schwalenstöcker als Sprecher und Organisator der informellen Gruppe, die zurzeit einen harten Kern von zehn Apfelliebhabern umfasst. „Es ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und in der Gruppe herrscht ein geniales Gemeinschaftsgefühl“, sagt Schwalenstöcker.

Entstanden ist die Idee der ehrenamtlichen Obstbaumpflege durch das Integrierte Kommunale Entwicklungskonzept (IKEK), das zurzeit die Dorferneuerung in der Ohetalgemeinde begleitet. Unter anderem ist auch der Erhalt von Kulturgütern eines der Ziele von IKEK. Die Streuobstwiesen zählen dazu, fand Thomas Trieschmann und erstellte gemeinsam mit Mitgliedern des sogenannten Handlungsfelds Zwei – Dorfgemeinschaft und Kultur – ein Streuobstkonzept für die Gemeinde Frielendorf. Trotz einer beeindruckenden Präsentation der Apfelfreunde wurde die Arbeitsgemeinschaft aber von den zuständigen Stellen als nicht förderfähig eingestuft.

Das Apfelfest in Bildern:

Apfelfest in Großropperhausen

Von ihrem Konzept überzeugt ließ sich die Arbeitsgruppe von der Absage nicht entmutigen. Der Streuobstgruppe geht es weniger ums Geld, sondern um die Sache. Sämtliche Kosten werden von den Mitgliedern aus eigener Tasche bezahlt. Seien es die Gerätschaften zur Baumpflege oder auch das Material zur Saftherstellung. „Bürgermeister Fey und die Gemeinde Frielendorf unterstützen uns aber“, sagt Trieschmann.

„Uns liegt der Erhalt der Bäume am Herzen und das Obst soll nicht verkommen. Der Schutz der alten Bäume und die nachhaltige Nutzung der Äpfel ist ein Stück weit Naturschutz“, erklärt Jürgen Schwalenstöcker und Trieschmann ergänzt: „Die fachliche Kompetenz für den Erhalt der Obstbäume ging verloren und damit auch eine Form von Kulturgut. Wir müssen altes Wissen wieder neu lernen.“

Neben der Ernte ist die Pflege daher eine Hauptaufgabe. „Obstbäume sind Kulturbäume. Die ersten 15 bis 20 Jahre ist regelmäßig ein Erziehungsschnitt notwendig. Bei der Oeschberg-Methode wird die Krone des Baums in Form eines Weinglases geschnitten. Ziel ist eine stabile Krone“, erklärt Trieschmann die Schneidtechnik.

In diesem Jahr rechnen die Apfelfreunde mit über 1500 Litern naturbelassenen Apfelsaft direkt aus der Region. „Wer möchte, kann gerne Saft bei uns erwerben. Die Einnahmen fliesen direkt in den Erhalt der Streuobstwiesen“, so Jürgen Schwalenstöcker.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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