Bürgermeister für Beseitigung maroder Bauten

Altortslagen sollen attraktiver werden

Wolfhager Land. Die Altortslagen aufwerten, um sie zu neuen attraktiven Wohnquartieren zu machen – mit dieser Herausforderung sehen sich die Bürgermeister auch des Wolfhager Landes zunehmend konfrontiert. Eine anspruchsvolle Aufgabe vor allem bei Städten mit historischen Stadtkernen.

„Wir müssen das Schrumpfen organisieren“, sagt Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable. Angesichts der alternden Bevölkerung mit den sich abzeichnenden zunehmenden Leerständen mit verfallender Bausubstanz in der Folge sei es längst überfällig, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Wie lassen sich junge Leute für ein Leben im historischen Kern begeistern, wie die dort Wohnenden auch langfristig binden?

Indem man den Wohnraum den Ansprüchen der Leute anpasst, ist Hable überzeugt. „Wir müssen den Menschen Raum geben für ihre Bedürfnisse“, dazu zählen auch Park- und kleine Grünflächen am Haus. Um dafür Platz zu schaffen, gelte es, auch an Tabus zu rütteln: Der Abriss von heruntergekommenen Häusern müsse eine Option sein. „Das Halten von Gebäuden um jeden Preis“ mache wenig Sinn.

Bei dauerhaft leer stehenden Häusern mit maroder Bausubstanz, bei denen sich keine Folgenutzung abzeichne, sei zu prüfen, ob ein Abriss nicht der bessere Weg ist, mit dem man letztlich auch das Wohnumfeld aufwertet.

Im vergangenen Jahr brannte in Naumburg das Haus Völker ab. Die Besitzer entschieden sich zum Neubau am Stadtrand. Das Interesse aus der Nachbarschaft an der künftigen Freifläche ist enorm, denn Parkplätze sind in diesem Bereich knapp. Hable sieht sich durch dieses Beispiel bestätigt, den Abriss baufälliger Gebäude verstärkt in Betracht zu ziehen. Natürlich gelte es hierbei, sensibel vorzugen und denkmalpflegerische Gesichtpunkte zu berücksichtigen.

Historischer Wert

Bei Landesamt für Denkmalpflege in Marburg sperrt man sich nicht grundsätzlich gegen den Wunsch, die Alt- ortslagen aufzulockern. „Wenn es Nebengebäude sind, die keinen historischen Wert haben“, sagt Dr. Tobias Michael Wolf, als Bezirkskonservator für den Landkreis Kassel und den Werra-Meißner-Kreis zuständig, gebe man nach einem Ortstermin und eingehender Prüfung das Objekt in der Regel für den Abriss frei. „Ich sehe mich nicht in der Position des Verhinderers“, sagt Wolf. Aber: Der gesetzliche Auftrag seiner Behörde sei, alte Substanz zu erhalten. Deswegen gelte es, jeden Einzelfall genau zu betrachten und nach einer Lösung zu suchen.

Wolf: „Die alten Städte mit ihrem Fachwerk sind das Kapital der Region.“ Das sieht durchaus auch Naumburgs Bürgermeister Hable so: „Die Geschichte gibt unserer Stadt die Seele.“ Aber die Bedürfnisse der Bewohner haben sich über die Jahrhunderte verändert. Das gelte es zu berücksichtigen.

Quelle: HNA

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