Honigsaison ist vorbei

Imker aus Wolfhagen bereitet seine Bienen für die Winterruhe vor

Kampf den ungewollten Untermietern: Richard Trutti benetzt ein gelbes Tuch mit Ameisensäure. Das Tuch bleibt oben auf den Holzrahmen der Bienenwaben liegen. Durch die Säure soll die für Bienen schädliche Varroamilbe getötet werden. Foto: Auel

Wolfhagen. Würde er den gelben Stofflappen ohne Schutz anpacken, würde er sich die Hände verätzen. Die Schmerzen wären vergleichbar mit denen durch einen Bienenstich.

Aus einer Plastikflasche tröpfelt Richard Trutti noch ein wenig mehr Ameisensäure auf das Tuch, was auf den Waben eines seiner Bienenvölker liegt. Ein beißender Geruch macht sich um seine Stöcke breit. Die ätzende Flüssigkeit soll seine Tiere von einem gefährlichen Schädling namens Varroamilbe befreien. Regelmäßig kommt Trutti zu dieser Jahreszeit in das durch eine Schranke abgeriegelte Waldstück in der Nähe Wolfhagens, um die Lappen in seinen 20 Völkern mit der Säure zu tränken.

Wenig los vorm Einflug

Heute ist an den Einfluglöchern eher wenig Verkehr, trotzdem stülpt sich Trutti einen Schutzanzug aus dickem, weißem Stoff und eine Schutzmaske über den Kopf. Der dichte, drahtige Bart des Rentners schimmert deutlich durch das dunkle Sichtgitter der Maske hindurch.

Außer der Varroamilbe mit der Ameisensäure auf den Leib zu rücken, muss Richard Trutti kaum mehr tun, um seine Bienen für den Winter fit zu machen. Sie bleiben das ganze Jahr hier in ihrem Waldstück und halten konstant eine Wärme von ungefähr 35 Grad in ihrem Stock.

Richard Trutti

Trutti mimt inzwischen den Zimmerservice für seine Bienen. Mit einem weißen Haushaltstrichter füllt er Zuckerwasser in einen Vorratsraum der Insektenwohnblocks. Das ist seine Entschädigung für den geraubten Honig. 40 Kilo produziert eine Bienenfamilie por Jahr im Schnitt. Diese Saison war es etwas weniger.

Es ist Trutti anzumerken, dass er gerne an diesem Ort ist. Auch die morgendlichen Radtouren des ehemaligen Sportlehrers und Bundeswehrsoldaten führen dicht an den Stellplätzen seiner Bienen vorbei. Er weiß viel über die braunen Tierchen, kann seine Beobachtungen gut und anschaulich weitergeben. Bienen würden unterschätzt, sagt er.

„Albert Einstein soll einmal gesagt haben, würden die Bienen sterben, ihnen vier Jahre danach die Menschen folgten“, erzählt Richard Trutti. Eine Anspielung auf die wichtige Rolle, die die Tiere als Bestäuber von Pflanzen und Bäumen spielen.

Zum Abschluss seiner Tour schaut Trutti bei seinen Königinnen vorbei, die er für das nächste Jahr züchtet. Sie leben in kleinen Glaskästen mit ein paar Hundert Arbeiterinnen zusammen. „Scheint alles in Ordnung zu sein“, sagt er. Was ihn und seine Bienen angeht, kann der Winter ruhig kommen.

Quelle: HNA

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