Amerikanische Pioniere halfen 1973 beim Bau des Schützenhauses

Dank an die Helfer: Im Gasthaus wurde mit den Soldaten so manches Fest gefeiert. Beim Abschied war auch der damalige Bürgermeister Jakob Allendorf (links) dabei. Fotos:  Privat/nh

Immichenhain. Ohne Stan Nelson würde heute das Schützenhaus Immichenhain nicht auf geebnetem Grund stehen: Der 66-Jährige war 1973 für sechs Wochen im Ort im Einsatz. Zusammen mit 17 Soldaten schuftete der Offizier der US-Army damals in der Schwalm.

Seitdem kommt Nelson immer wieder gern zurück: Gerade ist er mal wieder zu Besuch bei seinem Freund Georg Keil, der damals zusammen mit Schützenbruder Werner Stein auf die Idee kam, die Amerikaner um Mithilfe zu bitten.

Auf der Baustelle: Georg Keil (links) und Stan Nelson verstanden sich auf Anhieb.

Seit 40 Jahren pflegen die Männer und ihre Familien eine intensive Freundschaft. Alles begann 1971, als in Immichenhain ein neues Schützenhaus gebaut werden sollte. „Die Hanglage des Grundstücks war kompliziert, die Kosten für die Erdarbeiten wären nicht finanzierbar gewesen“, erzählt Altbürgermeister Keil. Und so bat man zunächst die Bundeswehr um Hilfe. Vergeblich. Auch die amerikanischen Streitkräfte, damals stationiert in Heidelberg, erteilten Keil eine Absage. Zunächst. Wochen später rief Offizier Stan Nelson an und kündigte sich zum Ortstermin an. „Wir haben in der Gastwirtschaft ein Bierchen getrunken. Die Chemie hat einfach gestimmt“, sagt Keil. Nelson habe erklärt, dass er und seine Soldaten jedoch nur drei Wochen Zeit hätten: „Wir warteten und warteten, aber nach vier Tagen kam plötzlich eine Kolonne mit Armeefahrzeugen, eine Pioniereinheit aus Wildflecken“, erzählt der Immichenhainer. Das entging im Ort natürlich keinem: Es gibt viele Fotos, die das zeigen. Untergebracht waren die Soldaten zunächst in der Schule. Als die Ferien zu Ende gingen, zogen sie mitsamt ihren Familien bei Immichenhainer Familien ein. Denn gedauert haben die Erdarbeiten sechs Wochen. Dabei kämpften die Soldaten gegen widrige Bedingungen: Reichlich Regen verschlammte die Straßen. Doch im Ort war es alles andere als widrig: „Die Leute waren so freundlich und offen. Treffpunkt war jeden Abend das Gasthaus“, erinnert sich Nelson. Da hätte sich so manche Freundschaft und Liebelei zwischen Soldaten und jungen Damen entwickelt. Abends gab es Schwein vom Spieß, betrieben wurde der Grill mithilfe eines Automotors. Umso schwerer fiel der Abschied. „Die Mädchen standen am Straßenrand und vergossen reichlich Tränen“, erzählt der Amerikaner.

Die Familien Keil und Nelson haben das Band nie zerschnitten: „Der erste Sohn der Nelsons hat das Kinderbettchen unseres Sohnes bekommen“, sagt Gerda Keil. Kein großes Familienfest sei vergangen, an dem Stan Nelson und seine Frau nicht in Immichenhain waren. Und Keils flogen auch schon in die Staaten. Georg Keil ist gerührt, als er die Geschichte erzählt Auch Stan Nelson stehen die Freudentränen in den Augen - eine deutsch-amerikanische Freundschaft, die hoffentlich noch lange hält.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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