Verfahren wegen Untreue endete mit Freispruch für eine 60-Jährige aus dem Landkreis

Amtsgericht Fritzlar: Keiner weiß, wo das Geld blieb

Fritzlar. Mit einem Freispruch endete am Montag vor dem Amtsgericht Fritzlar das Verfahren gegen eine 60-jährige Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis, die wegen des Verdachts der Untreue angeklagt worden war.

Sie war als Betreuerin einer Frau bestellt, die ihr nach einem Streit vorwarf, Geld von ihrem Konto abgehoben und in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Es ging um 32 Geldabhebungen von insgesamt 18 000 Euro in der Zeit von Juli 2005 bis Dezember 2007. Die Angeklagte, die für die Vermögensangelegenheiten der Betreuten zuständig war, bestritt die Vorwürfe.

Sie berichtete, dass die Betreute immer wieder unnütze Dinge für viel Geld bestellt und bezahlt habe, die Waren oft aber noch nicht einmal ausgepackt habe, beispielsweise Bücher für 7500 Mark und einen Staubsauger für 1800 Mark. Die Betreute arbeitet in der Baunataler Diakonie und hatte von ihrer Mutter 20 000 Euro geerbt.

Die Angeklagte erklärte, das Geld bei einer Bank in Borken angelegt zu haben und nach und nach an die Betreute ausgezahlt zu haben.

Dabei sei sie wohl oft nachgiebig gewesen und habe die Betreute allein zur Bank gehen lassen, einen unterschriebenen Auszahlungsschein in der Tasche. Sie habe nicht verfolgt, was aus dem Geld wurde. Die Angeklagte räumte ein, mit der Geldverwaltung überfordert gewesen zu sein, zumal sie selbst wegen Krankheit oft nicht arbeiten konnte. „Ich bin kein Büromensch“, erklärte sie der Richterin.

Als die Betreute einen Mann kennenlernte, habe sich das bis dato gute Verhältnis verschlechtert. Es kam zum Streit, eine neue Betreuerin übernahm. Dieser fielen die vielen Abhebungen ins Auge. Auf Nachfrage konnte sich das vermeintliche Opfer nicht erinnern, was aus dem Geld geworden war. Die Aussage der Betreuten vor Gericht brachte kein Licht in die Angelegenheit, zumal die Frau die verschiedenen Geldsummen heillos durcheinanderwarf. Auch weitere Zeugen sorgten nicht für Klarheit.

Das mutmaßliche Opfer habe sich oft widersprochen, ihre Aussage werfe Zweifel auf, stellte die Staatsanwältin fest und beantragte Freispruch - Begründung: Im Zweifel für die Angeklagte. Richterin Lydia Lahmann beurteilte das Verhalten der Angeklagten: „Als Betreuerin haben Sie versagt“, sagte sie. Die Angeklagte hätte aufpassen müssen, was mit dem Geld geschieht und die Quittungen aufheben sollen. Ihr Fazit: „Ich kann heute nicht mit Sicherheit sagen, was passiert ist. Es spricht vieles für die Angaben der Angeklagten, aber es bleibt ein bitterer Nachgeschmack.“

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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