Fotoausstellung im Naturparkzentrum entführt in die Welt der Wichtel und Elfen

Ein Tor in die Anderswelt

Leuchtender Felsen: Nur die Sternspuren am Nachthimmel verraten, dass sich hinter der Aufnahme der Wichtelkirche eine extrem lange Belichtungszeit verbirgt. 17 Minuten haben die Künstler gebraucht, um den Felsen zum Leuchten zu bringen. Fotos: Hoffmann

Zierenberg. Fast ist es so, als führte einen das Licht direkt hinein in die Anderswelt. Eine Welt, in der Wichtel und Elfen zuhause sind, wo Sagen und Mythen ihren Ursprung haben. Die bleibt dem menschlichen Auge verborgen, zumindest solange, bis Helmut Freudenberg und Rolf Wagner sie mit ihrem Licht erlebbar machen.

Es ist das Bild des „Wunschtörchens“, das einen magisch in die Ausstellung „Nachtschichten im Naturpark“ hineinzieht. Im Naturparkzentrum auf dem Hohen Dörnberg sticht es dem Betrachter als eines von zwölf Fotografien direkt ins Auge. Blau der Bogen, Gold die steinernen Außenwände. Aufgenommen im Kasseler Berkpark Wilhelmshöhe, zwischen Löwenburg und Mulangstraße, erzählt es von einer möglichen Wunscherfüllung, schreitet man bei Vollmond zu Mitternacht hindurch. Und so versteckt sich hinter jedem Bild eine Geschichte, von einem Baum voller Schurken, einem verhexten Pferd oder dem schwarzen Ritter.

Es sind die Märchen des Buches „Sagenhafte Wilhelmshöhe“, die Freudenberg und Wagner vor außergewöhnliche Beleuchtungsherausforderungen gestellt haben. Die Aufgabe war, die Erzählungen der Autorin Anne Fingerling zu illustrieren. „Es ging darum, Dinge zu zeigen, die es so eigentlich gar nicht gibt“, sagt Wagner, der das Buch in seinem Kasseler Prolibris-Verlag veröffentlicht hat. „Alle Fotos mussten nachts entstehen, um mit einer speziellen Beleuchtungstechnik eine sagenhafte Atmosphäre zu schaffen.“ Diese Technik ist als Lightbrush-Fotografie bekannt. Hierbei hat der Fotograf die größtmögliche Kontrolle und kann, wie mit einem Lichtpinsel, Dinge sichtbar machen, die bei Tageslicht unscheinbar sind. Auch unweit des Naturparkzentrums haben „DieLuminati“, wie sich das Fotografen-Duo nennt, ihre Lampen ausgepackt und die Wichtelkirche zum Leben erweckt.

Das einzige Bild der Ausstellung, das nicht im Buch zu finden ist, zeigt, dass in manch dunkler Nacht der Wichtelkönig noch immer auf Brautschau geht. In der Stunde nach Mitternacht befiehlt er seinem Volk, den gefährlichen Weg recht hell zu beleuchten, damit viele Jungfrauen den Kircheneingang hoch oben auf dem Felsen finden. In die Rolle der Wichtel sind die Kasseler Künstler dabei gerne geschlüpft, haben mit einer unglaublichen Belichtungszeit von 17 Minuten und reichlich Körpereinsatz ein Bild des Felsens geschaffen, das es so bislang noch nicht gegeben hat

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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