Zur 750-Jahr-Feier hat die Dorfgemeinschaft Binsförth eine Dorfchronik erstellt

Am Anfang war die Burg

Brückenbau über die Fulda: Das Bild entstand etwa in den 1930er Jahren. 2009 musste die Brücke, die Binsförth mit der B 83 verbindet, gesprengt werden. Ende 2011 wurde die neue Brücke eingeweiht. Foto: privat/nh

Binsförth. Eine kleine Burg zum Schutz einer Fuldafurth – das war Binsförth, als der Ort vor 750 Jahren das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. In diesen Tagen feiert der Ortsteil Morschens Jubiläum und aus diesem Anlass hat die Dorfgemeinschaft eine Chronik herausgegeben, die detailliert und anschaulich die bewegte Geschichte des Dorfes bis in die Jetztzeit schildert.

Das Chronikteam hat in rund eineinhalb Jahren die Informationen zusammengetragen und geordnet. „Das hat sehr viel Spaß gemacht“, sagt der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Marcel Schlein.

Angereichert sind die geschichtlichen Details mit Anekdoten und Überlieferungen etwa über den Ritter Friedrich, der wegen seines allzu dünnen Bartes von seinen Trinkkumpanen verlacht wurde, oder über einen Pfarrer, der so lumpig gekleidet war, dass ein Bettler ihn für seinesgleichen hielt, als er diesem einen Zigarrenstummel schenken wollte.

Ältester jüdischer Friedhof

Der Leser erfährt, dass es in Binsförth den ältesten jüdischen Friedhof Nordhessens gibt, der Mitte des 17. Jahrhunderts angelegt wurde. Noch heute – so heißt es in der Chronik – finden sich dort 256 Grabsteine. Zeitweise sei er gemeinsam von den jüdischen Gemeinden Melsungen, Spangenberg, Beiseförth, Binsförth, Neumorschen, Heinebach, Röhrenfurth, Malsfeld, Rengshausen und Nenterode genutzt worden. Die älteste noch lesbare Inschrift stammt aus dem Jahr 1694.

Ein Kapitel widmet sich ausschließlich Binsförth und der Kirche. So heißt es in der Chronik, dass bereits in der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes 1263 auch von einem Pfarrer die Rede gewesen sei. Ob es damals auch schon eine Kirche gegeben hat, ist hingegen nicht erwähnt. Erst 1554 ist erstmals von einer Kirche die Rede. Aber, so heißt es in der Chronik weiter, könnte es bereits Ende des 14 Jahrhunderts eine Kirche in Binsförth gegeben haben. Auch an vielen Häuser im Ort lassen sich noch die Spuren der Vergangenheit erkennen. So wird im Kapitel „Unser Dorf im Wandel der Zeit“ unter anderem mit vielen Fotos gezeigt, an welchen Gebäuden im Ort sich noch Hinweise auf den Erbauer und die ursprüngliche Nutzung finden. Ein weiteres Kapitel widmet sich den Veränderungen in der Landwirtschaft über die Jahre hinweg sowie der Entwicklung des Dorfes im 19. und 20. Jahrhundert.

Aber nicht nur die Vergangenheit spielt eine Rolle, auch die Gegenwart hat ihren Platz in der Chronik. So erfährt der Leser unter anderem, wie die Binsförther für ihre Brücke kämpften nach dem diese 2009 gesprengt worden war. Ende 2011 konnte die neue Brücke eingeweiht werden. Außerdem stellen sich die zahlreichen Vereine des Dorfes vor und zeugen vom aktiven Dorfleben des heute 270 Einwohner zählenden Ortes Binsförth.

Gefeiert wird das 750-jährige Bestehen Binsförths von Donnerstag, 30. Mai bis Sonntag, 2. Juni. Die rund 180-seitige Chronik kann für 10 Euro unter Tel. 01573/7518420 oder per Email info@dorfgemeinschaft-binsfoerth.de bestellt werden. ARTIKEL LINKS

Von Barbara Kamisli

Quelle: HNA

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