Fall Sabrina H.: Staatsanwalt fordert sieben Jahre Haft wegen Mordversuchs

Felsberg/Kassel. Im Prozess gegen Sabrina H. vor dem Landgericht Kassel hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren für die 26-Jährige gefordert. Sie sei des zweifachen Mordversuchs und der zweifachen gefährlichen Körperverletzung an Ihren Kindern schuldig, sagte Staatsanwalt Fabian Ruhnau.

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Verteidigerin Inge Kurz (Homberg) sagte, die schwerste Strafe habe Sabrina H. schon erhalten, weil es ihr verboten ist, Niklas und Laura zu sehen. Die Anwältin forderte in ihrem Plädoyer kein konkretes Strafmaß. Das tat auch Rechtsanwalt Werner Momberg (Kassel) nicht, der als Nebenkläger die heute zehnjährige Tochter Laura vertritt. Er beantragte eine Verurteilung wegen versuchtes Mordes.

In ihren Schlusswort vor Gericht sagte Sabrina H., es tue ihr leid. Aber das müsste sie eigentlich nicht im Gerichtsssal, sondern ihren Kindern sagen: „Wenn ich es könnte, würde ich alles rückgängig machen“.

Wie berichtet, soll Sabrina H. laut Anklage versucht haben, am 12. März 2009 in der Feldgemarkung bei Felsberg-Helmshausen ihre damals achtjährige Tochter Laura und ihren fünf Jahre alten Sohn Niklas umzubringen, indem sie Autoabgase ins Innere ihres Wagens leitete. Die Tochter konnte sich aber aus dem Auto befreien und alarmierte Anwohner, die die Polizei riefen. Die Polizei fand dann Mutter und Sohn im Auto. Beide waren bewusstlos und überlebten.

Nach Ansicht von Staatsanwalt Ruhnau wollte Sabrina H. gemeinsam mit ihren Kinden aus dem Leben scheiden. Dabei sei sie heimtückisch vorgegangen, habe die Arg- und Wehrlosigkeit der Kinder ausgenutzt. So habe sie auf dem Weg zum Tatort erzählt, man fahre zu einer Art Hundefriedhof, auf dem die Kinder den einen Tag zuvor verstorbenen Familienhund „Angel“ rufen könnten. „Argloser kann man Kinder ja gar nicht machen“, sagte Ruhnau.

Niklas und Laura hätten ihrer Mutter voll vertraut - auch, als die mit einem Schlauch die Abgase ins Auto leitete und die Kinder anwies, tief zu atmen. Laura hielt nach einer Weile aber die Luft an, atmete nur noch alle 30 Sekunden. Als es im Wagen qualmte und stank, verließ sie das Auto. Sie versuchte noch ihren Bruder aus dem Wagen zu ziehen, was allerdings misslang. Dann rannte sie einen Kilometer durch die stockdunkle Nacht zum nächsten Dorf Helmshausen und holte Hilfe.

Das Strafmaß, so der Staatsanwalt, liege zwischen drei und 15 Jahren Gefängnis, weil Sabrina H. zum Zeitpunkt der Tat nicht voll schuldfähig gewesen sei. Nach Meinung des psychiatrischen Gutachters sei ihre Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt gewesen, weil sie unter einer schweren Depression litt.

Nachdem Laura floh, standen Türen des Autos offen. Als die Polizei eintraf, waren sie geschlossen. Staatsanwalt Ruhnau ist der Ansicht, dass Sabrina H. sie schloss, um die Tat auch nach Lauras Flucht fortzusetzen. Ruhnau: „Das ist besonders verwerflich“. Für die Verteidigung ist das aber nicht erwiesen. Inge Kurz: „Was damals geschah, können wir heute nicht mehr sagen“. Das Urteil wird am Freitag, 18. Februar, verkündet.

Quelle: HNA

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