Kicker-Erinnerungen: Horst Kulla hält dem FSV schon seit 53 Jahren die Treue

Mit angenagelten Stollen

Kickergeschichte: Beim Ü60-Treffen des FSV Rot-Weiß Wolfhagen drehte sich alles um den Kickersport während der Jugendzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Fotos: zih

Wolfhagen. „Weißt du noch, damals...“ Das war am Freitagabend im Liemeckestadion der Satzbeginn, der am häufigsten zu hören war. Im Vereinsheim des Fußballsportvereins (FSV) Rot-Weiß Wolfhagen waren beim Ü60-Treffen wieder einmal die Altvorderen des FSV zusammengekommen, die in den Wiederaufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg ein wichtiges Stück Vereins- und Sportgeschichte mitgeschrieben hatten.

Wie zum Beispiel Horst Kulla. Acht Jahre war er alt, als er zum ersten Mal im FSV spielte. Das war 1948 in der Schülermannschaft, und für die kleinen Nachwuchskicker gab es noch keine rotweißen Vereinstrikots. So liefen sie in Unterhemdem und von den Müttern selbstgeschneiderten Turnhosen auf.

Auch richtige Fußballschuhe kannte der 1940 in Oberschlesien geborene Horst Kulla nur vom Anschauen bei seinem Vater Georg. Der unterstützte die Fußballbegeisterung seines Sprösslings, indem er unter dessen hohe Sonntagsschuhe Lederstückchen als Stollen nagelte.

Als Horst Kulla dann noch im Schüleralter Anfang der 50er-Jahre in die B-Jugend aufrückte, bekam er von seinen Eltern die ersten richtigen Fußballschuhe geschenkt. Und es gab nun auch für das vielversprechende Talent und seine Teamkameraden rotweiße FSV-Trikots und Stutzen.

Für Kulla und seine Mannschaftskameraden war es auch keine Selbstverständlichkeit, bei Auswärtsbegegnungen mit dem Auto zum Spielort gebracht zu werden. „Öfter als uns lieb war, mussten wir nach Elbenberg, Volkmarsen oder Zierenberg hin und zurück laufen oder mit dem Fahrrad fahren.“

Die Leidenschaft für den Kickersport war Horst Kulla in die Wiege gelegt worden. Denn sein Vater war Spieler beim Spitzenklub Polonia Warschau sowie in der polnischen Nationalmannschaft, spielte nach der Vertreibung in der zweithöchsten deutschen Klasse bei Preußen Hameln 07.

Durch einen Freund aus Ehringen kam die Familie 1948 nach Wolfhagen, wo Vater Georg die FSV-Erste verstärkte, die beiden Söhne Horst und Hans-Joachim beim Nachwuchs kickten.

Horst Kulla: „Von FSV bekam unsere Familie damals große Hilfe und Unterstützung.“

Tragisches Aus

Während sein Bruder später zum Leistungsträger der 1. Seniorenmannschaft avancierte, kam für den älteren Horst am 3. Mai 1959 das Ende des Fußballspielens. Im Spiel um die Bezirksmeisterschaft der A-Jugend gegen den BC Sport Kassel auf dem Liemeckesportplatz wollte Kulla einen beim Aufwärmen ins Aus geschossenen Ball holen und fiel beim Überspringen der Barriere mit dem Rücken auf die Eisenstange.

Ein dreiviertel Jahr lag er im Krankenhaus, konnte danach nicht mehr spielen. So wurde er als Schiedsrichter der 23. Mann auf dem Platz, pfiff bis Mitte der 60er-Jahre im Bezirk.

Quelle: HNA

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