Schockanrufe: Polizei plant Prävention durch Plakate und Handzettel

Angst als Druckmittel

Wolfgang Jungnitsch

Wolfhagen. Sie musste medizinisch versorgt und anschließend zur stationären Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. Zu groß war die Aufregung über den Anruf, der die 85-jährige Frau aus Wolfhagen am Samstagabend erreichte.

Es war einer dieser Schock-anrufe, die derzeit Wolfhagen und die Region in Aufregung versetzen (wir berichteten). In russischer Sprache wird gesagt, dass ein naher Angehöriger in einen Unfall im Ausland verwickelt worden sei und dass dringend Geld benötigt werde. Bei der 85-Jährigen erbeuteten die Täter 1500 Euro: Einige Zeit nach dem Anruf klingelte nach Angaben der Polizei ein Mann bei der Seniorin, schnappte sich das bereitgelegte Geld und verschwand.

Russische Sprache

„Die Ermittlungen haben ergeben, dass diese Leute gezielt Menschen anrufen, die in russischer Sprache angesprochen werden können“, sagt Wolfgang Jungnitsch, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen.

„Zudem haben sie es vorwiegend auf Senioren zwischen 75 und 85 Jahren abgesehen, bei denen sie davon ausgehen können, dass sie sich durch starke negative Emotionen leichter überrumpeln lassen.“ Die Opfer würden regelrecht eingeschüchtert, die Angst und Besorgnis der Menschen als Druckmittel genutzt.

Laut Jungnitsch ist die Polizei gerade damit beschäftigt, eine wirksame Prävention umzusetzen. „Dabei ist es allerdings ein großes Problem, die Menschen, die betroffen sind, also die Älteren, zu erreichen.“ Aufgrund der Sprache sei es beispielsweise eher unwahrscheinlich, dass sie Tageszeitung lesen. Viele kapselten sich auch ab. Daher müssten andere Wege gefunden werden, die Warnungen vor der skrupellosen Verbrecherbande anzubringen.

Effektive Aufklärung

„Wir werden in den nächsten Tagen in Lebensmittelmärkten in Wolfhagen Plakate aufhängen, die auch schon im Raum Schwalm-Eder eingesetzt wurden. Darauf wird in deutscher und russischer Sprache auf die Masche hingewiesen. Außerdem planen wir, die Warnung in Form von Handzetteln zu verteilen.“

Große Hoffnungen

Große Hoffnungen setze man seitens der Polizei auf die jüngeren Menschen, die russischsprachig sind. Wolfgang Jungnitsch: „Sie müssen besser auf ihre Eltern und Großeltern aufpassen. Sie müssen die Älteren aus ihrer Gemeinschaft sensibilisieren.“ Foto: Archiv

Quelle: HNA