Tod einer Jobcenter-Mitarbeiterin in Neuss beschäftigt Kollegen in Homberg

Angst geht mit zur Arbeit

Alltag: Hunderte solcher Beratungsgespräche gibt es täglich bei den Jobcentern. Nur selten laufen die Gespräche aus dem Ruder. Das Bild entstand in der Arbeitsagentur Leipzig. Foto: dpa/Grubitzsch

Schwalm-Eder. Die 150 Mitarbeiter des Jobcenters in Homberg sind regelmäßig Beleidigungen ausgesetzt, körperliche Übergriffe seien hingegen sehr selten. Das sagt Hans-Gerhard Gatzweiler, Geschäftsführer des Jobcenters.

Der tragische Tod der Kollegin aus Neuss sei natürlich Gesprächsthema unter den 150 Mitarbeitern in Homberg. Es werden auch Erinnerungen an eine Schlägerei 2010 in Homberg wach.

„Die Angst müssen wir aber ausblenden. Die Arbeit muss schließlich weiter gehen“, sagt Gatzweiler. Ein gewisses Risiko gehöre zum Beruf. Eine absolute Sicherheit gebe es nicht. Schließlich müsse man regelmäßig Menschen, die am Existenzminimum leben, zum Teil schlimme Nachrichten überbringen. Anfeindungen dürfe man daher nicht persönlich nehmen, sie richteten sich gegen die Funktion und nicht gegen den Menschen.

„Unsere Mitarbeiter sind in Deeskalation geschult.“ Darüberhinaus gebe es in allen Büros Notfallschalter an den Computern. Dies sei Standard bei Büros, die zur Bundesanstalt für Arbeit gehören. „Zur Sicherheit haben alle unsere Mitarbeiter Zwischentüren zu den anderen Büros.“ Aus Gründen des Datenschutzes müssten diese aber eigentlich geschlossen sein. Bei heiklen Kunden könnte man aber Kollegen vorher darüber in Kenntnis setzen, aufmerksam zu sein.

„Wir reden aber von einem verschwindend geringen Prozentsatz“, sagt Gatzweiler. Unter den etwa 6000 Menschen, die vom Jobcenter betreut werden, seien vielleicht zehn auffällige Kunden. Mit diesen gebe es aber Gespräche oder sie würden schriftlich über ihr Verhalten belehrt. „Unsere Mitarbeiter sind aber gehalten, bei kritischen Beratungsgesprächen einen Kollegen dazuzuholen.“

Angesichts der wenigen Problemfälle hält er Sicherheitsschleusen, Metalldetektoren oder gar private Sicherheitsdienste für überzogen – jedenfalls für ein Amt der Größe des Jobcenters Schwalm-Eder. „Die Probleme der Kollegen in schwierigen Vierteln in Großstädten sind mit unseren nicht vergleichbar“, sagt Gatzweiler.

Vorfälle würden in Kollegengesprächen aufgearbeitet. Für Berater gebe es regelmäßig Supervisionsrunden. „Wichtig ist der Austausch, auch über schwierige Kunden.“ Aggressionen ließen sich am besten über Gespräche abbauen, nicht über Sicherheitsvorkehrungen.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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