Bauarbeiten an der neuen Fuldabrücke

Angst vor Hochwasser: Ausgleichsfläche in Grebenau wurde zugeschüttet

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Diese grüne Wiese war früher eine Ausgleichsfläche: Ortsvorsteher Klaus Döring (links) und Werner Hruby fragen sich, warum die Fläche zugeschüttet wurde.

Grebenau. Wenn Werner Hruby aus seinem Fenster blickt, macht er sich Sorgen: Die Ausgleichsfläche für Hochwasser wurde während der Bauarbeiten der neuen Fuldabrücke zugeschüttet.

Diese Fläche habe nicht nur bei Hochwasser eine wichtige Funktion: Eine Pumpstation leitet Abwasser von Grebenau nach Guxhagen. Das Wasservolumen, das von der Pumpstation verdrängt wird, müsste auch von der Fläche ausgeglichen werden. Das sei nun nicht mehr möglich. „Wenn es Hochwasser gibt, steigt die Fulda nicht mehr Richtung B 83 an, aber Grebenau ist dann sehr gefährdet“, sagt Hruby.

1995 gab es ein schlimmes Hochwasser mit dem höchsten Stand der Fulda. Davon war auch Grebenau betroffen. „Das Wasser stand bis zur Straßenkante“, erzählt Hruby. Jetzt könne diese Situation - aufgrund der fehlenden Ausgleichsfläche - deutlich schneller zur Gefahr für die Häuser am Buchenblick werden, die nah an der Fulda stehen.

Doch nicht nur die fehlende Ausgleichsfläche stelle im Hochwasserfall eine Gefahr für Grebenau dar: Die B 83 sei nach den Bauarbeiten an der Grebenauer Fuldabrücke teilweise um bis zu 1,80 Meter angehoben worden. Die Straße und auch die Fuldawiese Richtung B 83 sind somit deutlich höher als vorher. „Wasser sucht sich den kürzesten Weg“, erklärt Hruby. Und der würde im Ernstfall für die Grebenauer eintreten, wenn der Pegel der Fulda steigt, befürchtet Hruby.

„Die Berechnungen mögen für die B 83 in Ordnung sein, aber für Grebenau nicht“, sagt Ortsvorsteher Klaus Döring. In den vergangenen Jahren habe es kein schlimmes Hochwasser gegeben, aber schon bei einem geringeren Stand als 1995 könnte der Buchenblick volllaufen, sorgt sich Hruby. Normalerweise müsse jeder Kubikmeter genehmigt werden, deshalb wundert er sich, dass es von den Behörden zugelassen wurde, die Ausgleichsfläche zuzuschütten.

Gefahr eher geringer

Jürgen Kaufmann, Vize-Landrat des Schwalm-Eder-Kreises, kann die Grebenauer beruhigen: Nach Absprache mit Hessen Mobil und dem Regierungspräsidium Kassel sei Grebenau nicht stärker gefährdet als vor dem Bau der Fuldabrücke. „Die obere Wasserbehörde war nach eigenen Angaben noch einmal vor Ort und hat sich die Situation angeschaut“, sagt Kaufmann. Die 2014 fertiggestellte Fuldabrücke habe einen Brückenpfeiler weniger und zudem seien die Stützen schmaler als vorher, weshalb das Wasser nun mehr Platz zum Abfließen habe. „Es gibt keine gesteigerte Hochwassergefahr gegenüber dem Vorstadium, sondern tendenziell eher eine verminderte“, sagt Kaufmann. Hochwasser könne man nie vollständig ausschließen, aber die Sorgen der Anwohner seien unberechtigt.

Hintergrund: Schäden teurer als Schutz

Die Fachkonferenz „Hochwasserschutz in Hessen“ diskutierte in der Stadthalle Melsungen jüngst die Wichtigkeit von Hochwasserschutz. Da Hessen besonders vom Klimawandel betroffen sei, wurden wichtige Schritte wie die Errichtung von Dämmen und Auffangbecken erörtert. Winfried Hausmann vom Regierungspräsidium Kassel machte deutlich, wie entscheidend ein wirksamer Hochwasserschutz sei. Bauliche Veränderungen in hochwassergefährdeten Bereichen seien zwar kostspielig, betonte Landrat Winfried Becker, aber die durch Hochwasser angerichteten Schäden seien oft deutlich höher als die Kosten der Schutzmaßnahmen.

Quelle: HNA

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