Hassan Ben Mansour zu den blutigen Unruhen in seinem Heimatland Tunesien

Angst um Verwandte

Besorgt: Hassan Ben Mansour informiert sich täglich - auf unserem Foto beim Lesen der HNA - über die Situation in seiner Heimat Tunesien. Foto:  zih

Wolfhagen. Er macht sich Sorgen wegen der Unruhen in seiner tunesischen Heimat: Am Mittwoch dieser Woche telefonierte der seit über 40 Jahren in Wolfhagen lebende Hassan Ben Mansour mit seinem jüngsten Bruder in Tunis. Der beschwichtigte: „Hier ist alles in Ordnung, du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Das, was im Fernsehen gezeigt wird, stimmt so nicht.“

Allerdings wollte das Hassan Ben Mansour nicht glauben. Denn die Fernsehbilder des tunesischen Senders TV 7, den der 61-Jährige zusammen mit 30 weiteren arabischen Kanälen in Wolfhagen empfangen kann und täglich intensiv verfolgt, sprechen eine andere Sprache. Also rief er einen Tag später seine ebenfalls in Tunis wohnende 63-jährige Cousine an. Doch die wollte ihm aus Angst, dass das Gespräch abgehört wird und sie dadurch in Schwierigkeiten kommen könnte, nichts erzählen.

Seilschaften

Die Aussage seines 42-jährigen Bruders überraschte Ben Mansour nicht wirklich. „Der ist als Angestellter der Stadtverwaltung bei der Hafenbehörde in Tunis sowie zudem noch als Standesbeamter aus dem Schneider. Er gehört dem Führungsclan an und kennt die Sorgen und Nöte vor allem der armen Bevölkerung und der jungen Generation nicht.“ Viele von denen haben, so Ben Mansour weiter, einen Schul-, Berufs- und Studienabschluss, finden aber trotzdem keine Arbeit. Einen Job, sagt er, bekommt man durch Beziehungen innerhalb der politischen und wirtschaftlichen Seilschaften.

Hassan Ben Mansour weiß, wovon er spricht. Als er 1968 nach Schulabschluss und Ausbildung stolzer Besitzer des Fachdiploms Dreher im Maschinenbau war, fand er in seiner Heimat keinen angemessenen Arbeitsplatz. Die Familie, Vater, Mutter und sechs Geschwister, lebten in Armut. Die Familie lebte vom unregelmäßigen Lohn des Vaters als Gelegenheitsarbeiter im Hafen sowie umgerechnet 75 Euro Kindergeld.

Reiche werden reicher

Nach Ben Mansours Ansicht haben sich schon damals die Reichen immer mehr bereichert und die Armen sind immer ärmer geworden. „Daran hat sich bis heute nichts geändert. Als ich zum Beispiel zuletzt in 2008 mit meiner Familie meine Verwandten in Tunesien besuchte, konnten wir kilometerlange mit Villen bestückte und vom Militär abgeriegelte Strandabschnitte nicht besuchen. Die waren nur den oberen Zehntausend vorbehalten.“ Hassan Ben Mansour, der eigentlich in diesem Jahr wieder sein Geburtsland besuchen wollte, nimmt derzeit aufgrund der instabilen politischen Lage davon aber Abstand.

Er findet es gut, dass durch Demonstrationen die missliche Situation der Ärmeren und Jugendlichen in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt wird. Er lehnt aber dabei die Gewalt ab. (zih)

Quelle: HNA

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