Anwohner irritiert: Alte Linden sollen doch erhalten bleiben

Wollen lieber neue Bäume: von links Karl Boppert, Gerhard Spies, Inge Heide, Karl Heinz Merle und Helmut Schaub. Fotos: Quehl 

Wiera. In Wiera hängt der Haussegen schief, zumindest in der Niederrheinischen Straße. Dort wird derzeit die Bundesstraße samt Gehwegen ausgebaut.

Aber nicht deshalb sind Anlieger sauer, sondern weil die Pläne in punkto Baumpflanzung geändert wurden. Statt Neupflanzung sollen die drei alten und eine jüngere, nachgepflanzte Linde nun doch stehen bleiben.

Beim Ortstermin mit Karl Heinz Merle, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Wiera, gesellen sich rasch Anlieger hinzu. „Die Situation hier ist auf Dauer unerträglich“, findet Helmut Schaub. Gegen die Einwohner und das Votum der Mehrheit sei entschieden worden, „über die Köpfe des Ortsbeirates hinweg“. Und bei der Befragung aller, die an dem Straßenabschnitt wohnen, hätten sich nur drei für den Erhalt der Linden ausgesprochen, 23 dagegen.

Dann kommen Karl Boppert, Gerhard Spies und Inge Heide spontan hinzu: Wiera sei grün genug, daran knüpfe sich nicht die Lebensqualität im Ort, sagen sie. „Wir sind keinseswegs generell gegen Bäume“, merkt Boppert an, „wir hätten gern eine schöne Allee. Dafür würden wir auch bezahlen, einige haben schon angeboten, einen Baum zu stiften.“ Aber zierlicher sollten sie sein, nicht wie die Linden, die in der Blützezeit klebrige Tropfen fallen lassen und später viel Laub produzieren.

Besonders gestört habe über Jahre, dass die Wurzeln den Asphalt aufblähten, der Gehweg für etwa für Alte und Menschen mit Kinderwagen unpassierbar gewesen sei. Dass sich das wiederholt, befürchten sie.

Baumsachverständiger Philipp Funck (Schwalmstadt) nicht. Er hat die Linden begutachtet und schlägt den Einbau von Wurzelbrücken vor, die das Risiko für mindestens 30 Jahre ausschließen. Etwa in Frankfurt seien solche Elemente aus Beton gang und gäbe. Sie werden eingebaut und regulieren das Wurzelwachstum.

Erster Stadtrat Detlef Schwierzeck, der derzeit Bürgermeister Wilhelm Kröll vertritt, betonte, der Baumsachverständige habe die Erhaltungswürdigkeit der Bäume festgestellt. Nach Gesprächen mit dem ASV (Kassler Straßenverkehrsamt) sei der Entschluss gefallen, die vier Bäume zu belassen und Wurzelbrücken einzubauen. Andernfalls drohe Ärger mit der Naturschutzbehörde, und Ausgleichspflanzungen wären fällig. Der Ortsbeirat habe keinen Auftrag gehabt, abzustimmen. Schwierzeck abschließend: „Die Linden in Wiera gehören einfach dazu.“ Die Bäume würden in Form geschnitten, mittels Wurzelschutz-vlies, -brücken und Blähton werde der Erhalt gelingen und neuen Schäden vorgebeugt.

Erklärung: SPD-Ortsverein fordert neue Bäume und spricht von Missachtung

 

Eine Missachtung des Bürgerwillens durch die neue Mehrheit nimmt der SPD-Ortsverein Wiera wahr. Die Sozialdemokraten führen ins Feld, dass der Ortsbeirat mit fünf zu zwei Stimmen für die Beseitigung der alten Linden gestimmt habe, eine Befragung unter den Anliegern habe ein Stimmverhältnis von 26 zu drei ergeben. "Seit Jahren machen die Wurzeln dieser Bäume den Gehweg auf der Niederrheinischen Straße unpassierbar. Aus diesem Grund war es seit langem ein Anliegen der Wieraer, den Gehweg der Niederrheinischen Straße zu erneuern und dies mit einer Beseitigung der über einen Meter dicken Linden und gleichzeitiger Neuanpflanzung von Bäumen mit weniger starken Wurzeln zu ersetzen. Mit dem Ausbau der Niederrheinischen Straße war dies laut Planung auch so vorgesehen", heißt es in einer Pressmitteilung. Nun herrsche Erstaunen, dass "der neue Magistrat sich anders entschied" und "dass schon kurz nach der Kommunalwahl der Wille des Ortsbeirates und der Anlieger in der Niederrheinischen Straße mit Füßen getreten" werde. Einzelne Wieraer hätten dem Ortsbeirat den Rücktritt nahegelegt, Anlieger wollten den Grünstreifen nach vielen Jahren nicht länger pflegen. Deshalb fordert der SPD-Vorstand in Wiera die Stadt Schwalmstadt auf, auch unter den neuen Mehrheiten das Votum des Ortbeirates und der Bürger zu respektieren und die Linden durch neue Bäume zu ersetzen, denn ein erneuter Wurzelschaden würde wiederum für Jahrzehnte einen unpassierbaren Gehweg bedeuten.

Quelle: HNA

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