Schülerin aus Spangenberg

Perücken für Krebskranke: Ann-Sophie Kremer spendet ihre Haare

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Ann-Sophie Kremer hält ihren langen Zopg nach oben. 

Elbersdorf. Ann-Sophie Kremer wollte immer Haare wie Rapunzel habe. Jetzt spendet die Zwölfjährige ihre lange Haare, damit Krebskranke davon profitieren.

70 Zentimeter lang floss ihr das kastanienbraune Haar über die Schultern fast bis zum Po hinunter. Jetzt ist der Zauber vorbei, der Zopf ist ab. Und das findet die Schülerin Ann-Sophie Kremer nicht einmal schade. Denn aus ihrem Haar werden Perücken geknüpft, die erkrankte Kinder und auch Erwachsene tragen können. Weil Eigenhaar sehr teuer und schwer zu bekommen ist, haben Perücken-Betriebe die Frisöre aufgefordert, die Haare nicht wegzuschmeißen und sie zu sammeln.

Für Krebspatienten sei das Aussehen während der Krankheit enorm wichtig, sagte Max Rieswick, von der Perückenmanufaktur Rieswick aus Ramsdorf. 

Daher bevorzugen sie bei der Verarbeitung echte Haare. Sie müssten der Haar-Struktur der Europäer entsprechen. Das hatte Ann-Sophie im Fernsehen gesehen und entschlossen: „Wenn ich mir die Haare abschneiden lasse, dann spende ich sie“, sagte sie.

In der vergangenen Woche war es soweit. Sie trennte sich, wenn auch schwer, von ihrer Haarpracht. Die langen Haare waren immer ihr Markenzeichen. „Ich war schon stolz darauf.“ Aber jetzt sei Zeit für eine Veränderung gewesen, auch weil sie sehr pflegeintensiv waren. Ihre Tante Inge Drössler half ihr beim Waschen. Jede Wäsche dauerte mehr als eine Stunde mit Kämmen und Föhnen.

Jetzt reicht das Haar der Schülerin der Burgsitzschule bis über die Schultern und sie ist glücklich mit ihrem neuen Look, und weil sie anderen mit ihren Haaren helfen konnte. Frisörin Daniela Goth schnitt ihr die Haare. Die Frisörin aus Spangenberg hat noch weitere Zöpfe gesammelt, die sie gespendet werden sollen.

Hintergrund

Haare spenden - Geld geht an Krebshilfe

Max Rieswick von der Perückenmanufaktur Rieswick erklärt, wie das Spenden der Haare funktioniert. Die Firma hat sich auf Echthaar-Perücken für medizinische Zwecke spezialisiert, nicht nur für Krebskranke. Vor fünf Jahren hatten sie die Idee, Frisöre anzusprechen, damit diese die Haare sammeln und nicht wegschmeißen. Mittlerweile mache die Firma für jeden eingeschickten Zopf eine Spende an die Krebshilfe. Die gespendeten Haare müssten mindestens 25 Zentimeter lang sein. Je nach Qualität und Länge könnten bis zu 130 Euro pro Zopf zusammen kommen, sagte Rieswick. Für die Haare nehme die Firma kein Geld vom Kunden, nur für das Herstellen der Perücke. 

Infos: www.haare-spenden.de

Drei Fragen an Sabine Duric, Friseurmeisterin, Partnerfriseurin der DKMS

Wie beurteilen Sie die Spendenaktion für Echthaar?

Sabine Duric: Das Echthaar kommt der Natürlichkeit bei der Perückenherstellung am nächsten. Es gibt nur wenig europäisches Echthaar für Perücken auf dem Markt. Da sind diese Spendenaktionen sehr gut. Es gibt sie noch nicht so lang. Das meiste Echthaar kommt aus Asien und muss erst noch bearbeitet werden. Es hat eine andere Struktur.

Wie wichtig ist eine Perücke, wenn man bei der Krebserkrankung die Haare verliert?

Duric: Die Erkrankten fühlen sich mit Haaren einfach besser. Sie sind oft überglücklich, wenn sie mein Geschäft wieder mit Haaren verlassen und fassen neuen Mut. Das stärkt das Selbstbewusstsein und hilft auf dem Weg zur Gesundung. Es liegt mir am Herzen, dass die Erkrankten so typentsprechend wie möglich aussehen.

Welche Rolle spielt diese Natürlichkeit der Frisur?

Duric: Viele wollen so natürlich wie möglich aussehen, um nicht auf die Krankheit angesprochen zu werden. Dabei helfen eine gute Perücke und Make-up. Das gibt den Menschen wieder mehr Sicherheit. Es gibt heute aber auch Kunsthaarperücken, die man fast nicht von echtem Haar unterscheiden kann.

Quelle: HNA

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