Foto-Zyklus von Dr. Jürgen Römer zeigt seine Sicht auf Elisabeth von Thüringen

Annäherung an eine Heilige

Sie gab alles her und machte sich frei von allem: Barfuß soll Elisabeth von Thüringen den Armen Hilfe gebracht haben. Eines der Fotos aus dem Elisabeth-Zyklus von Dr. Jürgen Römer. Repro: nh

Wolfhagen. Legenden ranken sich über Jahrhunderte um eine Frau, die sich bis heute ungebrochener Beliebtheit erfreut: Elisabeth von Thüringen (1207 bis 1231, heilig gesprochen 1235). Der „Mutter der Armen“, über die es zahllose Geschichten und wenig historisch Fassbares gibt, hat sich Dr. Jürgen Römer, Leiter des Regionalmuseums Wolfhager Land, auf ganz eigene Art angenähert. „Meine Elisabeth“ nennt Römer einen Fotozyklus, in dem er die wohltätige Landgräfin aus dem 13. Jahrhundert ins Heute holt.

Teils kitschig

„Als Historiker hat es mich immer gestört, dass die Menschen ein festes Bild von Elisabeth haben“, sagt Dr. Römer. Beginnend im Mittelalter ranken sich bis in die Gegenwart Mythen und Geschichten um die Heilige - teils kitschig und romantisierend, teils überhöht.

„Das Bild dieser Elisabeth ist durch 800 Jahre Legenden überformt. Verrückt ist, dass nur wenig bekannt ist und zu viel in ein kulturelles Konstrukt interpretiert wird.“ Dem habe er etwas entgegensetzen wollen.

Mit modernen Maßstäben sei die Heilige Elisabeth nicht analysierbar, deshalb gehe auch jeder mit eigenen Fragen an diese Figur heran. So auch Römer, der von 2005 bis 2008 Geschäftsführer des Elisabeth-Jahres der Evangelischen Kirchen und der Diakonischen Werke in Hessen war.

„Seine“ Elisabeth ist nah und bleibt doch fern auf den 20 Fotos, die im Waldecker Land entstanden sind.

„Diese Frau lebt bis heute fort in unzähligen Bildern, die unzählige Menschen sich immer wieder neu von ihr machen. Wir wissen so wenig und glauben so viel.“

Dr. jürgen Römer

Nah erscheint Dr. Römers Elisabeth, weil die Orte erkennbar sind und die abgelichtete Person real existiert und sogar Gesicht zeigt. Fast intime Augenblicke hat Römer festgehalten. Doch diese Elisabeth bleibt flüchtig, ist nicht (er-)fassbar, obwohl sie auf Fotopapier dokumentiert ist. Römer erreicht dies durch die Bewegungsunschärfe. Im Gegensatz zu den gestochen klaren Hintergründen bleiben die Konturen seines Modells, einer jungen Frau aus Bad Arolsen, verwischt - freier Raum für private Interpretation des Betrachters.

Fotografiert hat der Wolfhager Museumsleiter mit zwei analogen Kameras, schwarz-weiß und in Farbe. Am Computer wurden lediglich Belichtungswerte korrigiert. Erzeugt hat Römer auf diese Weise Momentaufnahmen, authentisch und durch die Unschärfe wieder der Eindeutigkeit entzogen. Sparsame Zitate über die bemerkenswerte Heilige gehen mit den poetischen und sehr persönlichen Fotos eine gelungene Symbiose ein.

„Meine Elisabeth“, 2006 auch als Buch erschienen (ISBN: 3-89477-914-4), wird als Sonderausstellung ab 18. November im Regionalmuseum zu sehen sein.

Von Cornelia Lehmann

Quelle: HNA

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