„Unsere Körper haben vibriert"

Schwalmstädter erlebten den Anschlag in Ansbach mit

Schwalmstadt/Ansbach. Auch fast eine Woche nach der schrecklichen Tat können die beiden immer noch nicht wirklich fassen, was an diesem Abend passierte.

Am Sonntagabend hat ein Syrer im Eingangsbereich eines Festivals im mittelfränkischen Ansbach eine Splitterbombe gezündet, sich damit getötet und 15 Menschen verletzt. Annika Horn und Patrick Heidenreich aus Schwalmstadt erlebten den Anschlag aus nächster Nähe. „Ich bin einfach glücklich, dass wir noch leben“, sagt Patrick Heidenreich mit ernster Miene.

Seine beste Freundin Annika hatte dem 25-Jährigen die Festivaltickets zum Geburtstag geschenkt. „Ich wusste, dass ich ihm damit eine große Freude bereite, weil einige seiner Lieblingsmusiker wie Joris und Gregor Meyle auf dem Festival spielten“, erinnert sich die 24-Jährige.

Zwar hätten sie im Vorfeld durchaus darüber gesprochen, was sie im Falle eines Anschlags tun würden, ernsthafte Sorgen hätten sie sich aber nicht gemacht, als sie am vergangenen Sonntag mit dem Auto nach Ansbach fuhren.

Das Festivalgelände lag zentral im Innenstadtbereich, etwa 2000 Besucher genossen den Tag über die Livemusik. „Das Gelände war größenmäßig mit einem Parkplatz vergleichbar, wir standen etwa 20 bis 30 Meter vom Eingangsbereich entfernt“, beschreibt Heidenreich die Situation.

Körper vibrierten 

Die beiden lauschten weiter der Musik von der Bühne, der Singer/Songwriter Gregor Meyle war gerade mit seinem Auftritt an der Reihe. „Dann hat es plötzlich richtig heftig geknallt“, schildert Heidenreich. „Unsere Körper haben vibriert, wir haben uns gegenseitig festgehalten und wussten nicht, was jetzt passiert.“

Schnell habe unter den Festivalbesuchern das Gerücht die Runde gemacht, an einer Grillbude sei eine Gasflasche explodiert. Gleichzeitig sei immer mehr Security, Polizei und Sanitäter angerückt. „Man hat schon gemerkt, dass irgendwas nicht stimmen kann“, so Heidenreich.

Währenddessen wandte sich Gregor Meyle an das Publikum und versuchte zu beruhigen: „Ich hoffe, dass nichts Schlimmes passiert ist“. Dann sei der Veranstalter auf die Bühne gekommen, um dem Sänger eine Nachricht zu überbringen, der daraufhin sein Programm fortsetzte.

„Plötzlich wurden dann alle Not- und Seitenausgänge geöffnet und die Leute strömten raus, viele haben geweint. Da wussten wir, da muss was schlimmeres passiert sein“, erzählt Annika Horn.

Klarheit durch Radio 

Gegen 23 Uhr konnten die beiden Schwalmstädter das Gelände verlassen, noch immer im Glauben, eine Gasflasche sei explodiert. „Erst als wir im Auto saßen und das Radio einschalteten, haben wir erfahren, was wirklich passiert ist“, erinnert sich Horn.

„Es ist ein großer Unterschied, ob man von solchen Anschlägen aus den Nachrichten hört oder ob man live dabei ist. Da wird einem erst bewusst, wie schnell es vorbei sein kann“, so Heidenreich. Sie seien verunsichert und überlegten sich künftig, ob sie solche Veranstaltungen überhaupt noch besuchen. Denn man könne sich im Grunde nirgendwo mehr richtig sicher fühlen.

Quelle: HNA

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