Uni Marburg, Kliniken und Hausärzte gründen Weiterbildungsverbund Schwalm-Eder

Anreize für junge Ärzte

+
Sind Partner bei der Weiterbildung zum Hausarzt: Vertreter von Kliniken, der Uni Marburg sowie niedergelassene Ärzte haben sich zu einem Verbund zusammen geschlossen.

Ziegenhain. Die Uni Marburg, Kliniken und niedergelassene Ärzte haben sich im Weiterbildungsverbund Schwalm-Eder zusammen geschlossen: Damit reagieren sie auf den drohenden Hausarztmangel auf dem Land. Von aktuell 118 Hausärzten im Kreis sind 44 Prozent zwischen 50 und 59 Jahre, weitere 19 Prozent über 60. „Bis 2025 wird es einen Nachfolgebedarf von 65 Prozent geben“, erläutert Dr. Dirk Fellermann, Regionalgeschäftsführer bei Asklepios.

Die Idee, einen Weiterbildungsverbund zu gründen und damit jungen Ärzten Anreize zu bieten, hatte Dr. Joachim Klug, Hausarzt in Gilserberg. „Wir wollen das Angebot der klinischen und der ambulanten Ausbildung bündeln und strukturieren“, sagt er.

Kai-Oliver Schramek, Koordinator des Projekts, erklärt, warum das wichtig ist: „Ärzte müssen ihre Weiterbildung zum Hausarzt selbst organisieren. Wir wollen ihnen diese Organisation abnehmen.“ Hierdurch könne sich die durchschnittliche Weiterbildungszeit – in Hessen sind das neuneinhalb Jahre – auf fünf Jahre verkürzen.

Prof. Dr. Norbert Donner-Banzoff, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Allgemeinmedizin an der Uni Marburg, verdeutlicht: „Dieses Prozedere der Weiterbildung ist ein akuter Missstand. Der Pluspunkt, dass die Weiterbildung koordiniert wird, sollte in Zukunft zur Regel werden.“ Vor allem hob er die starke allgemeinmedizinische Komponente im Verbund hervor. Der Job der Uni sei es nicht nur, für Bewerber, sondern auch für eine „gesunde, patientenorientierte Motivation“ unter den jungen Ärzten zu sorgen. „Und das Interessse an der Allgemeinmedizin und am ländlichen Raum zu wecken.“

Dr. Klug, seit 20 Jahren Lehrbeauftragter an der Uni Marburg, erklärte, dass es nicht nur in Praxen an Weiterbildungsassistenten fehle: „In Kliniken gibt es ein ähnliches Bild.“ Die Koordination halte er deshalb für sinnvoll. Der Kreis habe gute Chancen, auch Fördergeld vom Land zu bekommen.

Weiterbildung

Er skizzierte den Weg: Interessierte Ärzte wendeten sich zunächst an den Koordinator, der den Kontakt zu den Partnern herstelle. „Wir begleiten ihn während der kompletten Weiterbildung“, bestätigte Schramek.

Prof. Dr. Geert Mayer, Ärztlicher Leiter der Hephata-Klinik, glaubt, dass die Region gute Voraussetzungen habe, um junge Ärzte langfristig zu binden. „Wir decken mit den Kliniken und Praxen ein breit gefächertes Spektrum ab.“ Unterstützt wird der Verbund sowohl von der Kassenärztlichen Vereinigung als auch von politischer Seite. „Wir stehen im Bereich der hausärztlichen Versorgung kurz vor einem Kollaps“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Winfried Becker.

Deshalb müsse man Bedingungen in Form von vielen Puzzleteilen schaffen: „Zukünftig sind 70 Prozent der medizinischen Absolventen Frauen. Da steht bei der Wahl einer Region auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Fokus.“ Vor dem Hintergrund der Notfallversorgung sei eine ambulante und stationäre Vernetzung „dringend erforderlich“.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Kommentare