Gerlinde Siebert-Heinecke beendet mit „Annas letzte Flucht“ ihre Nachkriegs-Trilogie

Ein anrührendes Schicksal

Erzählt die Geschichte einer Vertriebenen: Gerlinde Siebert-Heinecke mit ihren drei Romanen, in deren Mittelpunkt ein Flüchtlingsschicksal steht. In der Hand hält sie den neuesten Band. Foto: Thiery

Niederurff/Gütersloh. Einst frisierte sie die Bad Zwestener, heute lebt die gebürtige Niederurfferin Gerlinde Siebert-Heinecke in Westfalen und lebt ihre Kreativität beim Schreiben von Romanen aus.

Sie beendete mit ihrem soeben erschienen Band „Annas letzte Flucht“ den letzten Teil ihrer Nachkriegs-Trilogie um ihre Protagonistin, die aus Schlesien vertriebene Anna, die nach dem Krieg in Niederurff unterkam und eine neue Heimat fand.

In dem dritten Roman betrachtet die 66-jährige Autorin das Thema der Flucht noch einmal aus ganz anderer Sicht. Sie bezieht die Lebensumstände im Deutschland in der Zeit des Mauerbaus und des kalten Krieges in Annas Welt mit ein. Schauplätze sind Niederurff, Frankfurt und Berlin.

Heimkehrer und Fluchthelfer

Die Autorin ist mit der Fortsetzung des Romans dem großen Wunsch ihrer Leser gefolgt. „Viele wollten wissen, wie Annas Geschichte nun weiter geht“, sagt sie. Im dritten Band geht es nun auch um Spätheimkehrer Franz, ein Mittvierziger, der infolge der Kriegsgefangenschaft in Russland zum Alkoholiker wird. Und da ist auch noch Margot, die sich in einen amerikanischen GI verliebt. Berthold, Sohn der Protagonistin Anna, schließt sich 1961 in Berlin einer Gruppe von Fluchthelfern in Ostberlin an.

Die Autorin Gerlinde Siebert-Heinecke, geboren 1954, wuchs auf einem Bauernhof in Niederurff auf. Dort begegnete sie als Kind drei Flüchtlingsfamilien, deren Schicksal sie nie vergaß. „Die Schilderungen der Menschen, die in den Kriegswirren alles verloren hatten, haben mich damals sehr fasziniert“, sagt sie. Später arbeitete die Niederurfferin im eigenen Frisörsalon, bevor sie Mitte der 80er- Jahre mit ihrem Mann nach Westfalen zog.

Die schriftstellerische Arbeit begann sie vor sechs Jahren. „Eigentlich“, erzählt sie, habe sie nur ihre Kindheitserinnerungen dem Bruder zu dessen 60. Geburtstag schenken wollen. So entstand der erste Band „Anna und Elise“, in dem die Protagonistin aus ihrer schlesischen Heimat flüchtet und dabei ihren Sohn verliert. „Das hat den Nerv dieser Zeit getroffen. Alles ist authentisch, ein Drittel des ersten Romans autobiographisch“, erklärt Gerlinde Siebert-Heinecke. Die Leser wollten mehr wissen und so schrieb die Autorin munter weiter, wobei sie das Zeitgeschehen mitverarbeitete.

Die Autorin hat hingegen nun die Geschichte der Anna mit dem letzten Band beendet. Das Schreiben wird aber weiter ihr Hobby bleiben. Zurzeit betreibt Gerlinde Siebert-Heinecke zudem eine Schreibwerkstatt für die Volkshochschule und die Arbeiterwohlfahrt. •  Infos: „Annas letzte Flucht“, Pro Business Berlin, 13,50 Euro. 346 Seiten, ISBN 9783863860219

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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