Pfarrer Thomas Maleja wird Relativierung von sexuellem Missbrauch vorgeworfen

Ansprache sorgt für Ärger

Fritzlar. Es sollte ein festlicher Rahmen für das Ehemaligentreffen der Ursulinenschule werden. Doch die Predigt von Thomas Maleja, ehemaliger Ursulinenschüler und heute Pfarrer in Flieden (Kreis Fulda), sorgte für Unruhe.

Ehemalige, die die Ansprache hörten, werfen ihm eine Relativierung der Hexenverbrennungen und des sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester vor. Einige hätten den Raum entrüstet verlassen, berichtet Frauke Gromotka aus Fritzlar. Sie spricht von einer „erbärmlichen Argumentation“.

Schulleiterin Jutta Ramisch hat auf der Internetseite der Schule eine Erklärung veröffentlicht, in der sie im Namen von Schulleitung und Kollegium „die entstandenen Irritationen zutiefst“ bedauert. Den Inhalt der Rede habe sie nicht gekannt, sagte Ramisch.

„Es ist eine unglückliche Geschichte gewesen“, erklärte Pfarrer Maleja auf Anfrage der HNA. Er habe einen zentralen Satz der Ursulinengründerin Angela Merici zugrunde gelegt: „Haltet euch an den alten Weg und lebt ein neues Leben.“

In seiner Ansprache habe er für eine Hinwendung zu Jesus werben wollen, sagte Maleja. Unter anderem sei es auch um das schlechte Image der katholischen Kirche gegangen. Als Beispiele nannte der Pfarrer die Hexenverbrennungen und den sexuellen Missbrauch.

In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass es die Hexenverbrennungen nicht im Mittelalter, sondern in der Neuzeit gegeben habe. Außerdem habe es in der Inquisition in Spanien kaum Hexenprozesse gegeben.

Maleja bedauert Beispiele

Auch auf die Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs auf das schlechte Bild der Kirche ging Maleja ein. Er sagte, dass von 1000 Priestern, die seit 1945 im Bistum Fulda Dienst taten, 15 Missbrauchstäter gewesen seien.

Diese Passage erzürnte viele Zuhörer, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des vielfachen Missbrauchs durch einen Ordenspriester in Fritzlar. „Ich bedauere es so sehr, dass ich diese Beispiele gebracht habe“, sagte Maleja.

Bei sexuellem Missbrauch gebe es nichts zu beschönigen, und der Fritzlarer Täter habe seine gerechte Strafe bekommen. Es wolle lediglich nicht, dass der Missbrauch immer im selben Atemzug wie die katholische Kirche genannt werde. Der Pfarrer ist am Telefon hörbar betroffen und sagt: „Die Predigt wäre besser gewesen, hätte ich die Beispiele rausgelassen.“

In einer E-Mail an die Schulleitung schreibt Maleja: „Daher möchte ich heute Euch und Ihnen sagen, dass es mir von Herzen leid tut, dass mein Anliegen in der Ansprache nicht verstanden wurde.“

Dass es dabei nichts falsch zu verstehen gab, findet ein ehemaliger Ursulinenschüler, der heute in Göttingen lebt. Er hatte auf der Homepage der Schule seinen Unmut über Malejas Worte deutlich gemacht. Doch sei sein Kommentar gelöscht worden. „Nachdem er von der Seite genommen wurde, bin ich darüber informiert worden“, sagt er im HNA-Gespräch. Das habe ihn sehr verwundert. Vielmehr hätte er sich eine deutliche Distanzierung der Schulleitung von der Rede gewünscht.

Menschen verletzt worden

„Es war ein strategischer Fehler, dass man sich die Rede nicht vorher hat zeigen lassen.“ Den größeren Fehler habe der Pfarrer gemacht. Durch seine Worte seien Menschen verletzt worden.

Es sei schade, dass sich ein ehemaliger Schüler hinstelle und das Geschehene so rechtfertige. „Die Ursulinenschule hat sich positiv entwickelt und die Schüler machen einen aufgeschlossenen Eindruck.“ Nun werde sie durch die Rede in Misskredit gebracht, sagte Ramisch.

Von Olaf Dellit und Maja Yüce

Quelle: HNA

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