Anstellen zum Frühstück: Hendrik Schröder ist einer der letzten Wehrpflichtigen

Alles sauber und ordentlich: Flieger Hendrik Schröder räumt seinen Spind sorgfältig ein. Bei der Bundeswehr wird großer Wert auf Ordnung gelegt. Foto: Bassing

Zum 1. Juli wird die Wehrpflicht durch einen freiwilligen Wehrdienst abgelöst. Das Prinzip der Wehrpflicht bleibt aber im Grundgesetz verankert: Falls Deutschland sich militärisch verteidigen müsste, werden wieder Soldaten eingezogen. Wir haben einen der letzten Wehrpflichtigen begleitet.

Fritzlar. Hendrik Schröder hätte sich freiwillig und gerne zum Dienst gemeldet. „Es ärgert mich nicht, dass ich zu den letzten Wehrpflichtigen gehöre,“ sagt der junge Mann. Am Montag war er mit weiteren 80 Rekruten in die Georg-Friedrich-Kaserne eingerückt.

Vieles am Kasernen-Leben sei aber anders als zuhause. Die Rekruten stehen um 5 Uhr auf. In Reih und Glied geht es dann zum Frühstück. Auch die anderen Mahlzeiten gibt es zu festgelegten Uhrzeiten. „Zuhause habe ich mir einfach eine Pizza in den Ofen geschoben, so wie ich Lust hatte“, sagt der junge Mann.

Der 20-Jährige kommt aus Baunatal, hat vor dem Grundwehrdienst sein Abitur gemacht und sich auf sein großes Ziel nach der Bundeswehr vorbereitet: „Ich möchte Pilot werden“. Für ihn stand fest, dass er die Wehrpflicht antreten würde. „Es hat mich einfach mehr gereizt“, so der 20-Jährige. „Außerdem ist die Disziplin und Kameradschaft bei der Bundeswehr anders als beim Zivildienst.“

Berufswunsch: Pilot

Eigentlich hatte er sogar die Idee, sich bei der Bundeswehr zu verpflichten, um Pilot zu werden. „Aber leider wurde ich dafür ausgemustert.“ Nun möchte der Baunataler nach der Bundeswehr seinen Traum bei der Lufthansa verwirklichen. Das Fliegen ist seine Welt: Mit 17 Jahren machte er den Ultraleichtflugschein und beschäftigt sich auch in seiner Freizeit mit Flugzeugen. Beim Kampfhubschrauber-Regiment in Fritzlar fühlt er sich deshalb gut aufgehoben. In Fritzlar wird er seinen dreimonatigen Grundwehrdienst leisten und vermutlich auch die weiteren drei Monate der Wehrpflicht bleiben.

Wehrpflicht wird ausgesetzt

Aber Hendrik Schröder ist einer der letzten seiner Art. Bereits ab 1. März sollen nur noch Wehrdienstleistende freiwillig ihren Dienst antreten. Ab dem 1. Juli wird die Wehrpflicht dann ganz ausgesetzt. Ab dann gelten auch neue Bezahlungen für die Rekruten. „Das ist sicher für viele ein Anreiz“, so Hans-Jürgen Küchler, Presseoffizier der Kaserne.

Der künftig freiwillig Wehrdienstleistende wird in den ersten drei Monaten 777 Euro netto pro Monat bekommen - bisher waren es nur 282 Euro. Je nach Dienstzeit und Dienstgrad kann ein Wehrdienstleistender bis zu 1300 Euro netto pro Monat verdienen.

Hintergrund: 80 Wehrpflichtige rückten ein

Zum 1. Januar 2011 rückten 80 Rekruten des Kampfhubschraubergeschwader-Regiments in die Fritzlarer Kaserne ein. 50 davon sind Wehrpflichtige, 30 verpflichteten sich als Zeitsoldaten, berichtet Hauptmann Hans-Jürgen Küchler, Presseoffizier der Kaserne. Dabei war die Frauenquote überdurchschnittlich hoch: 15 Frauen kamen in die Kaserne, das sind 20 Prozent, wie der Presseoffizier mitteilt. Normalerweise sei die Frauenquote viel niedriger. Bis zu 144 Rekruten können in die Ausbildungsstaffel kommen. Mit 80 Rekruten sei das jetzt relativ wenig. In der Georg-Friedrich-Kaserne sind 1900 Soldaten und 200 Zivilangestellte beschäftigt.

Quelle: HNA

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