Museumsleiter Konrad Nachtwey sprach über Liebe und Erotik in der Kunst

Von Antike bis Neuzeit

Plausch mit Gästen: Konrad Nachtwey, Sabine Becker und Barbara Bersch (von links) unterhielten sich am Donnerstagabend angeregt über die zuvor gezeigten Bilder. Foto: Rose

Ziegenhain. „Ist die Sinnlichkeit die Summe aller Sinne?“, fragte Konrad Nachtwey am Donnerstagabend die Zuhörer im Museum der Schwalm. Der Kunsthistoriker und Museumsleiter belebte nach längerer Pause mit diesem Thema seine Vortragsreihe neu. Untertitelt hatte Nachtwey den Abend mit „Erotik in der Kunst – Lust für Frauen?“ So facettenreich wie das Leben selbst, drückten sich auch immer schon Künstler zu diesem Thema aus: Egal ob pure Fleischeslust, Trieb, Begehren oder Liebe – es bewegt die Menschen, von der Antike bis in die Neuzeit.

In der Antike maß man dem Begehren eine Natürlichkeit bei, während in der christlichen Religion der Begriff der Scham geprägt wurde. Die Darstellung der griechischen Göttin Artemis von Ephesos zeige eine Fülle von Brüsten, erläuterte der Kunsthistoriker.

Die Brüste selbst seien Symbol der Fruchtbarkeit, die Vielzahl stünde für die Vielfalt der Natur. Die Brust sei auch in späteren Darstellungen nie verloren gegangen. Eine Karikatur stelle hingegen das Bild des Priapus – dem Gott der Fruchtbarkeit – dar, der mit einem riesigen Geschlechtsteil abgebildet sei. Pan, der Hirtengott, werde ausschließlich in Begierde gezeigt.

Situation der Zerrissenheit

Eine christliche Darstellung des Sündenfalls zeige neben Adam und Eva auch Tiere, etwa die Eule: „Die war später das Sinnbild für Klugheit, hier steht sie für Dummheit.“ Über Attribute ließen sich Bilder verstehen: Etwa die Darstellung der heiligen Maria Magdalena. Auch wenn etwa ein Künstler ihre nackten Brüste male, so zeige er im Werk immer auch den ihr zugehörigen Salbtopf.

Dass Liebe auch eine Situation der Zerrissenheit provozieren könne, erklärte Nachwey am Beispiel der alttestamentlichen Geschichte der Bathseba, gemalt von Rembrandt. Ende des 19. Jahrhunderts läutete Auguste Rodin eine kleine Revolution ein, indem er einen Kuss - als Skulptur - abbildete. „Das wurde ihm lange übel genommen.“ Wie sich eine Nonne mit Christus verlobe, sei hingegen Sinnbild für religiöse Ekstase. Weniger ekstatisch, vielmehr voller Liebe und Fürsorge, wurde hingegen die Liebe einer Mutter zu ihren Kindern dargestellt oder Kinder gezeigt, die sich mit Hingabe um ein Tier kümmerten.

„Sie sehen, Liebe hält jung oder macht jung – ganz wie Sie wollen.“

Konrad Nachtwey

Magritte ging subtiler vor: Er malte die Annäherung zweier Menschen, einem Mann und einer Frau, deren Gesichter er verhüllt darstellte. „Er zeigt zwei Köpfe, die sich augenscheinlich küssen“, erklärte Nachtwey. Der Künstler Lucas Kranach thematisiere die Liebe im Werk „Der Jungbrunnen“.

Es stelle ein Becken dar, in dem sich alte Frauen zusehends verjüngten. Am Beckenrand würden die Damen sogleich von Männern erwartet – um sich an der Tafel, beim Tanz oder auch einfach im Gebüsch ihrer neu gewonnen Jugend zu erfreuen. „Sie sehen, Liebe hält jung oder macht jung - ganz wie Sie wollen“, gab Konrad Nachtwey seinen Gästen mit auf den Weg. 

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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