Anwohner in Melsungen: Bauplatz für Achtfamilienhaus ungünstig

Befürchten Probleme, von links: Die Anwohnerinnen Elke Schrammel und Karla Keim an der Straße Schloth in Melsungen sehen die künftige Verkehrsbelastung kritisch. Fotos: Dewert

Melsungen. An einem Steilhang am Schloth entsteht ein Achtfamilienhaus - ein zweites Haus für fünf Familien ist in Planung.

Schon jetzt ist es für die Anwohner am Schloth und Schlothberg in Melsungen eng, sehr eng. Die Straße lässt Begegnungsverkehr kaum zu, Parkplätze sind quasi nur auf den Grundstücken der Einfamilienhäuser vorhanden. Genau dort an einem Steilhang wird ein 8-Familienhaus gebaut, ein zweites für fünf Familien ist in Planung.

Kritik der Anwohner

Gegen die Bauvorhaben regt sich jetzt Widerstand. 15 Anwohner haben bereits auf einer Liste unterschrieben, und sie fordern wenigstens für das noch nicht begonnene zweite Bauvorhaben eine genaue Überprüfung und gegebenenfalls ein Veto der Stadt Melsungen. Genehmigungsbehörde ist das Kreisbauamt in Homberg.

„Unseres Wissens nach hat die Behörde nicht einmal einen Ortstermin gehabt“, sagt Elke Schrammel, Anwohnerin am Schloth. Das hieße, der Mitarbeiter hätte nur nach Aktenlage und Skizze des Flurstücks entschieden.

Der zu erwartende Verkehr würde das Wohngebiet über Gebühr belasten. Es gebe nur eine Zufahrt über die Straße Schloth und eine Abfahrt über den Melgershäuser Weg. Eine Möglichkeit wäre, sagt Anwohner Günther Lohr, den Schloth über den Grasweg zur Schönen Aussicht zu verlängern. Dann gebe es wenigstens eine zweite Zufahrt. Er hätte sich eine Anwohnerversammlung gewünscht.

Das erste Gebäude

Das Gebäude wird dreistöckig. Im Keller entstehen Lager- und Wirtschaftsräume und eine Tiefgarage. Die Zufahrt ist mit einem starken Gefälle vom Schloth aus geplant. Das Gebäude wird vom Schloth her dreistöckig, aber von der Fritzlarer Straße aus gesehen eher vierstöckig, weil der Keller an der Südseite komplett herausragt, beschreiben die Anwohner. Die Grundfläche betrage 23 Meter mal 13 Meter. Das Haus passe nicht in die umgebende Bebauung: „Hier stehen fast ausschließlich ein- und zweistöckige Einfamilienhäuser“, sagt Schrammel. Für das Gebäude gilt noch die alte Stellplatzsatzung. Demnach müssen je Wohnung 1,5 Parkplätze gebaut werden. Diese zwölf Stellplätze werden geschaffen.

Das zweite Gebäude

Der Bauantrag lag dem Melsunger Magistrat gestern erstmals vor. Unter bestimmten Bedingungen kann die Stadt dass Einvernehmen versagen.

Zum Beispiel muss der Bauherr nachweisen, dass die Erschließung sichergestellt ist. Auf jeden Fall seien die nach der neuen Stellplatzsatzung notwendigen zehn Parkplätze auf dem Grundstück nachgewiesen, sagt Martin Dohmann, Leiter des städtischen Bauamtes. Er habe indes auch keine Vorstellung, wie der Bauherr das Haus bauen wolle. Eine Vollsperrung der Straße Schloth werde es nicht geben. Die Stadt werde wohl auch keine Flächen für Baumaschinen und ähnliches zur Verfügung stellen. Die Anwohner hatten genau dies kritisiert und zu bedenken gegeben.

Der Landkreis

Nicht für jedes geplante Haus könnten Mitarbeiter des Kreisbauamtes einen Ortstermin wahrnehmen, sagt Landrat Winfried Becker. Eine Genehmigung für das zweite Haus sei noch nicht erteilt, der Vorgang liege bei der Stadt Melsungen. Eine Bebauung müsse immer auch vom Grundstück aus möglich sein.

Das sagt der Bürgermeister

Details zum zweiten Bauvorhaben lagen der Stadt gestern noch nicht vor, sagte Bürgermeister Markus Boucsein. Schon beim ersten Gebäude hatte die Stadt ihr Einvernehmen versagt. Erst nach der Umsetzung einiger Anregungen aus Stadtentwicklungsausschuss und Gestaltungsbeirat habe man zugestimmt. Eine Ablöse der Parkplätze sei bei keinem Bauvorhaben vorgesehen. Die sei nur unter besonderen Bedingungen möglich. Am Schloth bestehe man natürlich auf Stellplätzen auf den Grundstücken. Im Nick gebe es derzeit ein ähnliches Problem. Der Baunantrag werde jetzt besonders genau geprüft. Insbesondere wolle man die Verkehrssituation im Blick haben. Eine Verlängerung des Schloths zur Schönen Aussicht müsse dabei ebenfalls untersucht werden. In der Zukunft sei mit weiteren solcher Lückenschlüsse zu rechnen. Er glaube aber nicht, dass eine Ausweisung innerstädtischer Baugebiete das Problem automatisch löse, gibt er zu Bedenken. Dennoch werde man im neuen Parlament genau darüber diskutieren müssen. (ddd)

Quelle: HNA

Kommentare