Anwohner sind gegen Güllebehälter in Wernswig

Sorgen sich um ihre Lebensqualität: Nur wenige Meter von den Wohnhäusern entfernt soll in Wernswig ein großer Güllebehälter gebaut werden. Das ärgert nicht nur (von links) Manuela, Mia und Stefan Vollmer, Lisa und Harald Thurau, Siegmund Vollmer, Frank Weber und Sylvia Jung. Foto: Yüce

Wernswig. Über 200 Menschen in Wernswig stinkt es gewaltig. Sie wollen nicht, dass ein Güllebehälter in ihrem Ort gebaut wird, denn sie sorgen sich vor den Folgen. Gülletourismus und Geruchsbelästigungen sind die Schlagworte.

Den Bau des Behälters plant der Bodenverband Schwalm-Eder auf einem Feld am Ortsausgang in Richtung Lenderscheid.

Eine Initiative hat bereits Unterschriften gesammelt. „Weil wir alle in Wernswig direkt davon betroffen sind“, sagt Harald Thurau. Einige Wohnhäuser seien nur 150 Meter Luftlinie von dem geplanten Standort für den drei Millionen Liter fassenden Behälter entfernt. Sie befürchten zudem, dass der Schwerverkehr auf den schmalen Dorfstraßen zunimmt.

Während die Anwohner von Geruchsbelästigungen, gesundheitlichen Beeinträchtigungen und über 400 zusätzliche Transportfahrten sprechen, gibt der Geschäftsführer des Maschinenrings Wolfgang Koch Entwarnung. „Es ist ein emotional geführtes Thema“, sagt er. Doch werde in erste Linie ein Gärsubstrat aus der Biogasanlage in dem Behälter gelagert. „Durch die Fermentation geht dadurch eine sehr reduzierte Geruchsbelästigung aus“, erklärt er auf HNA-Anfrage. Die Menschen in Wernswig könnten auch im nächsten Sommer auf ihrer Terrasse sitzen, ohne unter Geruchsbelästigungen zu leiden. Auch gebe es keine zusätzlichen Fahrten: „Das Düngemittel wurde bislang auch auf die Felder gefahren, jetzt wird es statt in der Nähe der Biogasanlage schon zuvor in der Nähe der Felder aufbewahrt und dann in der Vegetationszeit aufgebracht“, erklärt Koch. Überhaupt entsprächen 400 Fahrten zwei Transportbewegungen durch das Dorf am Tag, fügt er an.

Glauben wollen das die Initiatoren der Unterschriftenaktion nicht. „Der Wind kommt permanent aus südwestlicher Richtung und weht somit vom Güllebehälter in Richtung Dorf“, sagt Frank Weber. Zudem sei ein offener Behälter ohne Deckel geplant. Man befürchte auch, dass früher oder später statt des Substrates doch Gülle in dem Behälter lande.

Daher fordern die Initiatoren, dass die Anlage nicht in Wernswig gebaut wird. Stattdessen schlagen sie vor, den Güllebehälter gleich neben der Biogasanlage aufzustellen. „Dort ist Platz und dort stört sich niemand daran“, sagt Siegmund Vollmer. Sie fordern zudem, dass ein ebenfalls geplanter Maststallbetrieb nicht gebaut wird.

„Unsere Erfolgschancen sind gering, aber wir wollen es nicht einfach hinnehmen“, sagt Sylvia Jung. „Unsere Mindestforderung wäre, dass ein Deckel auf den Güllebehälter kommt und der Verkehr durch den Ort sicher geregelt wird.“

Finanziell sehen sich vor allem die Anlieger als Verlierer: „Unsere Grundstücke verlieren an Wert.“ Um so enttäuschter seien sie, dass es bislang keine Informationsveranstaltung gegeben habe.

Die Diskussion spalte schon jetzt das Dorf. Der Initiative ist es wichtig klar zu machen, dass sich ihre Kritik nicht an einzelne Personen richtet. „Es geht um die Sache.“ Um die geht es auch dem Bodenverband und daher will er bei einer Besichtigung der Biogasanlage über das Vorhaben informieren. Einen genauen Termin gebe es aber noch nicht, sagt Koch.

Quelle: HNA

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