Streit über Markierungen

Anwohner verärgert: Grenzsteine bei Bauarbeiten entfernt

Hier lag früher ein Grenzstein: André Teichrib (vorne) an seiner Grundstücksgrenze, hinten von links die Anwohner Holger Hasenbein, Anne Hasenbein, Erwin Döhne und Gisela Klipp sowie Ortsvorsteher Dieter Reichel. Foto: Féaux de Lacroix

Wichte. Eigentlich könnte es ein Grund zur Freude zu sein, wenn Straße und Kanal vor der eigenen Haustür saniert werden. Doch für einige Anwohner in Wichte ist die erneuerte Straße ein Ärgernis. Denn nach dem Abschluss der Bauarbeiten fehlte etwas: Grenzsteine.

Die hatten zuvor die Ränder der Grundstücke markiert. Zwar sollen die Steine nun neu gesetzt werden - doch die Kosten dafür müssen die Anwohner tragen

„Ich sehe das als Eingriff in mein Eigentum“, sagt Anwohner Erwin Döhne. Er ist nicht der einzige verärgerte Anwohner. „Ich brauche die Steine, um den Grenzfrieden zu wahren“, erklärt Gisela Klipp, die in Wichte Ferienwohnungen vermietet. Grenzsteine sind etwa dann entscheidend, wenn jemand einen Anbau an seinem Haus plant - denn dabei darf er die Grenzen des eigenen Grundstücks nicht überschreiten.

Gemeinde wollte Geld sparen

Die betroffenen Anwohner sehen nicht ein, dass sie nun für die neuen Grenzsteine zur Kasse gebeten werden - aus ihrer Sicht hätte man die Grenzsteine trotz der Bauarbeiten erhalten können, damit wären keine Kosten entstanden, argumentieren sie.

Dem widerspricht der Bürgermeister der Gemeinde Morschen, Herbert Wohlgemuth. Bei den Bauarbeiten habe es sich nicht vermeiden lassen, dass die Grenzsteine herausgerissen wurden - „wir können da ja nicht drumrum baggern.“

Es hätte auch nicht viel geholfen, die Grenzsteine aufzuheben - denn der Materialwert der Steine sei sehr gering. Die Kosten für das erneute Setzen der Grenzmarkierung - mehrere hundert Euro pro Stück - wären hingegen auf jeden Fall entstanden. Um dieses Geld zu sparen, habe man deshalb den Anwohnern vorgeschlagen, auf die Grenzsteine zu verzichten, erklärt Wohlgemuth. In Zeiten von GPS benötige man die Grenzsteine schließlich nicht mehr unbedingt.

Doch auf Anfrage der Gemeinde meldeten sich einige Anwohner, die ihre Grenzsteine wieder haben wollen. Diesem Wunsch will die Gemeinde nachkommen - die Kosten werden dann aber auf alle Anwohner umgelegt. Damit würden aus Sicht von Ortsvorsteher Dieter Reichel aber viele für etwas zur Kasse gebeten, das sie gar nicht wollen: „Die meisten Leute in Wichte sagen: Wozu brauche ich Grenzsteine?“, berichtet er.

Doch die neuen Grenzsteine kommen auf jeden Fall. Zur Debatte steht nur noch, ob lediglich einige Grenzsteine auf Wunsch der Anwohner wieder gesetzt werden, oder ob gleich alle Grenzsteine wieder hergestellt werden.

Von Judith Féaux de Lacroix

Das sagt das Amt für Bodenmanagement

Grenzsteine sind in Hessen nicht mehr Pflicht, sagt Frank Winkelmeyer, Pressesprecher des Amts für Bodenmanagement in Homberg. Wenn Grenzsteine gesetzt würden, dann auf Wunsch der Grundstückseigentümer - und die müssten dafür dann auch die Kosten tragen. „Wer bestellt, der zahlt.“ Nützlich seien Grenzsteine immer noch: „Man geht damit vielen Streitigkeiten, etwa mit Nachbarn, aus dem Weg.“ Ohne Grenzsteine müsse man jedes Mal einen Vermessungsingenieur beauftragen, wenn eine Frage zu den Grundstücksgrenzen auftauche - und diesen dann auch bezahlen. (jul)

Quelle: HNA

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