Diskussionen um Unterbringung von Asylbewerbern in Ziegenhain

Leiteten Diskussion: von links Dekan Christian Wachter, Heidrun Hartwig und Michael Schneider.

Ziegenhain. Zu einer Informationsveranstaltung für Anwohner über die geplante Asylantenunterbringung in der alten Festungsapotheke trafen sich 50 Menschen am Freitagabend im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Ziegenhain.

Neben Bernd Völker als Besitzer der Immobilie waren zusätzlich Michael Schneider, Vertreter des Schwalm-Eder-Kreises, Nadine Bremer, Verwaltung des Landkreises, Heidrun Hartwig, Betreuungsstelle für Zuwanderer, und Jochen Helwig vom Verein für Toleranz und Menschenwürde als Gesprächspartner gekommen. Die Diskussion leitete Dekan Christian Wachter.

Nadine Bremer berichtete, der Schwalm-Eder-Kreis müsse vier Prozent aller Flüchtlinge, die nach Hessen kommen, aufnehmen, zur Zeit seien dies 900 Menschen. Es sei abzusehen, dass die Zahl im nächsten Jahr steige.

Bernd Völker stellte die baulichen Bedingungen der alten Festungsapotheke und seinen geplanten Umbau in mehrere Wohneinheiten vor. Er wurde mehrmals von aufgebrachten Zuhörern unterbrochen, die seine Angaben über frühere Belegungszahlen mit Freigängern oder seine Darstellung des Raumangebotes anzweifelten.

Vor allem den baulichen Zustand und die schlechte Lage der Festungsapotheke stellten einige Nachbarn als unzumutbar für Flüchtlinge dar. Michael Schneider betonte, der Landkreis werde niemals Flüchtlinge in einer Ruine unterbringen und Ziegenhain habe mit seinen Schulen und Geschäften eine gute Infrastruktur.

Nach dem Umbau durch den Besitzer werde der Kreis die Wohnungen anmieten, um dort vor allem Familien unterzubringen. Ein Zuhörer bezeichnete die vorgebrachten baulichen Argumente als heuchlerisch und bat die Anwesenden, ehrlich zu sagen, warum sie wirklich gegen die Unterbringung der Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft seien. Daraufhin erklärte eine Nachbarin: „Wir haben Angst, dass Unruhe und Lärm kommen. Wir wissen nicht, was das mit unserem Viertel macht“, fasste sie zusammen. Die Zahl von 50 Flüchtlingen stand im Raum, das seien den Anwohnern zu viele Menschen.

„Ich fühle mich sehr an die Zeit vor 20 Jahren in Treysa erinnert, als dort die Kaserne für die Flüchtlinge geöffnet werden sollte“, fasste Jochen Helwig zusammen, „ich hatte damals auch Angst, aber hier sind viele Menschen versammelt, die ihnen die Angst nehmen wollen. Gründen Sie einen Arbeitskreis wie wir damals, dann können Sie Einfluss nehmen.“

Heidrun Hartwig erklärte auf konkrete Nachfrage von Bürgermeister Dr. Gerald Näser, dass bis zu 26 Flüchtlinge in der alten Festungsapotheke untergebracht werden sollen. „Gerade Familien müssen so schnell wie möglich aus den Gemeinschaftsunterkünften heraus, das ist für uns das erklärte Ziel“, so Hartwig. „Wenn Familien kommen“, meinte eine Nachbarin, „bin ich die Letzte, die dagegen ist.“ Es sei wohl an der Zeit, „eine Zweigstelle des Arbeitskreises für Toleranz und Menschenwürde in Ziegenhain zu gründen“, sagte Wachter.

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

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