Abgezockt: 500 Euro für minderwertigen Asphalt

Frau aus Bad Emstal wurde Opfer einer Teerkolonne

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Zurück blieb nur loser Schutt, der keinem Reifen stand hält: Brigitte W. wurde Opfer einer Teerkolonne. 

Bad Emstal. Erst zu spät merkte eine Frau aus Bad Emstal, dass sie Opfer einer Teerkolonne geworden war. 500 Euro zahlte sie für einen minderwertigen Belag. Was zunächst nach einem guten Angebot anhörte, stellte sich als Betrugsmasche heraus.

Die asphaltierte Einfahrt von Brigitte W. aus Bad Emstal hat Risse, Kieferwurzeln haben sie beschädigt. Als es vor wenigen Wochen an ihrer Tür klingelte und ein Mann in schlechtem Deutsch sagte, dass er von Straßenbauarbeiten noch Asphalt übrig habe, den er günstig verlegen könne, klang es in ihren Ohren nach einem guten Angebot. „Ich dachte, dass die Männer eine Stunde ihre Arbeit machen und dann wieder gehen“, so Brigitte W. Denn danach klang das Angebot: Sie zahlt nur die Arbeitszeit, nicht das Material. „Ich habe Interesse signalisiert, aber keine Arbeitserlaubnis erteilt.“

Angst die Polizei zu rufen 

Jetzt ist sie um 500 Euro ärmer, die Garagenzufahrt übersäht mit losem Schotter, neuen Asphalt hat sie nie gesehen. Sie wurde Opfer einer Teerkolonne oder Asphalt-Mafia.

Was an diesem Tag geschah, wirkt im Rückblick alptraumhaft: „Er hat mich nicht mehr aus den Fängen gelassen, er sprach erst drohend, dann schmeichelnd - auf Fragen hat er nicht reagiert.“

Mit „Er“ meint die 60-Jährige den Chef des Trios, das plötzlich, nachdem sie wie jeden Mittag mit den Hunden vom Gassigehen zurück kam, vor ihrer Haustür stand: „Ein Ire mit roten Haaren und blauen Augen, ein Mann aus dem Ostblock und ein schlanker Mann mit dunklem Teint.“

Da ihr Mann an einer seltenen Form von Demenz erkrankt ist (Morbus Pick), bei der Stress gefährlich ist, ließ W. die Männer zunächst gewähren - und rief auch nicht die Polizei. „Ich hatte einfach Angst, dass er sich aufregt.“

Nach dem Spaziergang ging sie zur Nachbarin. Als sie zurückkehrte, schütteten die Arbeiter Bitumen aus einer Gießkanne auf den verteilten Schotter. „Der Chef kommt gleich mit der Maschine, sagten die Männer immer wieder. Das Gerät habe ich nie gesehen.“ Stattdessen warf er irgendwann mit Zahlen um sich: 3400 Euro wollte er plötzlich für Material und Personal. „So viel habe ich nicht“, habe sie gesagt. Nachbarn eilten zur Hilfe. Als einer riet, die Polizei zu rufen und W. sagte, dass die Bank bereits geschlossen habe, gab sich der Chef mit 500 Euro zufrieden. W. fuhr mit einer Nachbarin zur Bank, sie gab ihm das Geld und eilte zurück ins Auto. „Er folgte uns noch kurz, dann bog er ab.“ Der Sohn riet W., Anzeige zu erstatten, was sie dann auch tat.

Das sagt: Karsten Turski, Polizei

Bei der so genannte Teerkolonne handelt es sich meist um Personen aus England und Irland. Sie geben vor, von Straßenarbeiten noch Teer übrig zu haben und bieten ihn günstig an. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Betrüger, da üblicherweise kein Teer von Straßenarbeiten übrig bleibt. Wir raten hier, sich auf solche Arbeiten nicht einzulassen.

Kürzlich wurde ein Fall bekannt, bei dem minderwertige Teerarbeiten zu einem völlig überzogenen Preis vorgenommen wurden. Grundsätzlich wird empfohlen, bei vor Ort angebotenen Arbeiten, sich vor Beginn über Umfang und Preis genauestens zu informieren. Eine Reisegewerbekarte sollte in jedem Fall vorgezeigt werden.

Die Arbeit sollte immer beaufsichtigt werden. Auch über Garantie und Gewährleistung sollte man sich informieren.

Kommen im Vorfeld Zweifel auf, so ist die Polizei umgehend zu informieren. Kennzeichen und Fahrzeugtyp sollten notiert werden.

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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