Apothekensterben im Schwalm-Eder-Kreis geht weiter

Schwalm-Eder. Zwischen 12 und 13 Uhr werden Kunden in vielen Apotheken im Schwalm-Eder-Kreis heute nur durch die Notdienstklappe bedient. Mit dieser Aktion protestieren die Apotheker gegen die schlechte Bezahlung im Notdienst. Dies ist jedoch nicht das einzige Problem der Apotheker.

Die Zahl der Apotheken in Hessen ist auf dem niedrigsten Stand seit 1983. Immer mehr Betriebe schließen, die Belastung für die verbleibenden Apotheken wächst. Und die Patienten haben immer längere Wege bis zur nächsten Apotheke.

Im Schwalm-Eder-Kreis versorgt eine Apotheke derzeit 3900 Einwohner - das sei etwas mehr als der Bundesdurchschnitt mit 3800 Einwohnern pro Apotheke, sagt Kirsten Müller-Kuhl, Sprecherin des Hessischen Apothekerverbandes. Derzeit gibt es 47 Apotheken im Landkreis, die dem Hessischen Apothekerverband angeschlossen sind. 2011 waren es noch 50. „2012 haben in Hessen 36 Apotheken geschlossen - gegenüber 15 Neueröffnungen“, sagt Müller-Kuhl. Damit sank die Zahl der Apotheken gegenüber dem Vorjahr um 21.

Entgegen diesem Trend eröffnet in den kommenden ein bis zwei Monaten im Ärztehaus Fritzlar eine neue Apotheke. Martin Steinhagen, derzeit noch Angestellter in der Apotheke seiner Tante in Edermünde, will sich dort selbstständig machen. „Langfristig möchte ich auch die Apotheke meiner Tante übernehmen“, erzählt der 30-Jährige. „Der Kontakt mit den Patienten macht mir einfach Freude.“ Steinhagen weiß, dass er unter seinen jungen Kollegen eine Ausnahme ist. „Viele gehen lieber in die Industrie oder in die öffentliche Verwaltung“, erklärt er, „da gibt es geregelte Arbeitszeiten und eine Fünf-Tage-Woche.“

Gerade in ländlichen Regionen seien Apotheken zunehmend unrentabel, fügt Kirsten Müller-Kuhl hinzu. Denn zu 85 Prozent leben die Apotheken von ärztlichen Verordnungen - sie leiden mit, wenn Arztpraxen schließen.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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