Kein Wort zum Abschied

Letzter Neujahrsempfang für Homberger Bürgermeister Martin Wagner (CDU)

Abschied von Homberg: Bürgermeister Martin Wagner ging in der Stadthalle nicht darauf ein, dass er in diesem Jahr aus dem Amt scheidet. Foto: Dellit

Homberg. Man hätte zu gerne gewusst, was Hombergs scheidender Bürgermeister Martin Wagner (CDU) dachte, als der Chor Cantare Musica beim Neujahrsempfang sang: „...noch einmal voll von Träumen sein, sich aus der Enge hier befrei’n, er dachte über seinen Aufbruch nach, seinen Aufbruch nach...“

Die Zeilen stammen aus Udo Jürgens Gassenhauer „Ich war noch niemals in New York“ und gehörten zum Programm des Empfangs in der Homberger Stadthalle, zu der an die 300 Gäste gekommen waren. Wer erwartet hatte, Wagner würde eine Abschiedsrede halten, sah sich getäuscht. Der Bürgermeister, der nicht zur Wiederwahl in diesem Jahr antritt, erwähnte seinen Abschied vom Amt mit keinem Wort, sprach lediglich die Wahl ganz kurz an.

Stattdessen lobte er vergangene Entscheidungen wie den umstrittenen Kauf des früheren Kasernengeländes, dort werde man ein „Technologie- und Wirtschaftzentrum entwickeln“. Als wichtige Projekte für die Zukunft nannte er den Ostbereich des Marktplatzes („Magnet für die Innenstadtbelebung“), die Reaktivierung des Gasthauses Krone und eine neue Nutzung für das leer stehende Krankenhausgebäude.

Kritischer war zuvor Stadtverordnetenvorsteher Heinz Marx (SPD) auf die Kommunalpolitik in der Kreisstadt eingegangen. Im Jahr der Weltmeisterschaft wählte Marx den Fußball als Bild für seine Rede und sagte mit Blick auf die Bürgermeisterwahl, man müsse sich überlegen: „Betreiben wir Mannschaftssport oder geben wieder Einzelspieler den Ton an?“

Neujahrsempfang in Homberg

Es sei wichtig, zukünftig mehr bei den Heimspielen zu punkten und vor allem weniger Eigentore zu schießen. Alle Spieler müssten gleich behandelt werden, wenn man den Abstieg verhindern wolle. Marx zog Vergleiche zur Fußballbundesliga: Der SC Freiburg zeige immer wieder, dass man auch ohne viel Geld Erfolge erzielen könne. Dort werde selbstloser Einsatz noch groß geschrieben. Es waren die einzigen kritischen Töne beim Empfang in der Stadthalle, ganz so, als hätten sich alle ein Beispiel am Chor genommen, der zum Eingang in einem Lied gesungen hatte: „Welche Freude, welch’ ein Frieden...“

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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