Hirsche brauchen Ruhe- und Schutzzonen

Arbeitsgemeinschaft will Lebensraum vom Rotwild verbessern

Gemeinsam für die Verbesserung des Lebensraumes für Hirsche: (von links) Landwirt Wilhelm Wagner aus Wenigenhasungen, Revierförster Peter Treude, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Zierenberg, Holger Becker, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Wenigenhasungen, Walter Schwarz, Forstamtsleiter Uwe Zindel und der Vorsitzende der Rotwild-Hegegemeinschaft Wattenberg- Weidelsburg, Arnold Weiß.

Wenigenhasungen/Zierenberg. Das Rotwild fordert Forstamt, Hegegemeinschaft, Jäger und Landwirte zur Zusammenarbeit heraus. Bei der hatte es in der Vergangenheit immer wieder Probleme gegeben.

Vor einem halben Jahr hat der junge Arbeitskreis Lebensraumkonzept für das Rotwildgebiet Wattenberg-Weidelsburg seine Arbeit aufgenommen. Neben den genannten Mitgliedern sind in ihn Wissenschaftler der Uni Kassel und Naturschützer eingebunden.

„Wir wollen den Bestand an Rotwild erhalten und den Lebensraum der Tiere verbessern“, sagt Arnold Weiß, Vorsitzender der Rotwild-Hegegemeinschaft Wattenberg-Weidelsburg. Wie groß die Population im mit 23.000 Hektar kleinsten Rotwild-Gebiet Hessens ist, dazu wollten sich die Mitglieder des Arbeitskreises nicht äußern.

Für sie geht es um Wichtigeres: Außerhalb des Waldes wollen sie das Biotop zugunsten der Hirsche verbessern. Das Rotwild sei ein Steppentier, seiner Natur nach bevorzuge es Wiesen und baumfreie Flächen, sagt der Leiter des Wolfhager Forstamtes, Uwe Zindel. Aber genau die Lebensräume gibt es zu selten oder aber die vorhandenen bieten zu wenig Schutz. Also müsse künstlich nachgerüstet werden.

Gehölze sollen dem Rotwild auf Äsungsflächen Schutz bieten: Die Auszubildenden Julian Köhler (links) und Christian Schneider pflanzten am Waldsaum bei Wenigenhasungen am Rohrberg Sträucher. Fotos: Thon

So haben Forstwirte in der Ausbildung jetzt Sträucher gepflanzt. Auf zwei landwirtschaftlich genutzten Flächen des Forstamtes am Rohrberg legten sie Riegel, bestehend aus Salweide, Hasel und Kornelkirsche an. Die sollen Hirschen, die bevorzugt in der Dämmerung aus dem Wald auf die Äsungsflächen treten, Sichtschutz bieten, sagt Weiß. Denn Rotwild reagiert sehr empfindlich auf Störungen. Spaziergänger mit Hunden, Jogger, Jäger, die nachts am Waldrand auf Schwarzwild ansitzen, drängen das größte in Deutschland freilebende Wildtier in den Wald. Und dort richtet es enorme wirtschaftliche Schäden an, wenn es nicht zum Grasen auf die Wiesen austreten kann. Es muss dann seinen Energiebedarf im Wald decken, sagt Zindel. Dort schält es dann Rinde von Bäumen und hält sich an junge Triebe und Knospen, um seinen Tagesbedarf von zwölf Kilo zu decken.

Das Problem bekomme dann eine ganz andere Dynamik. Nehmen die Schälschäden überhand, muss mehr Rotwild zur Strecke gebracht werden, sagt Zindel. Genau das war vor zwei Jahren im Zierenberger Stadtwald geschehen - und hatte den Ärger der Hegegemeinschaft Zierenberg heraufbeschworen. Derzeit müssen jährlich um die 30 Stück Rotwild geschossen werden, um die Population in ihrer Größe zu erhalten.

Künftig sollen an weiteren Waldrändern solche Ruhe- und Schutzzonen für den Rothirsch geschaffen werden. Auch Feldholzinseln als Grünbrücken, über die die Tiere geschützt von einem Wald in den nächsten gelangen können, müssten angelegt werden, sagt Arnold Weiß. Für den Erfolg des Projekts sei es zudem wichtig, dass auf den Wiesen am Wald keine Gülle ausgebracht und möglichst keine Viehweide eingerichtet werde, sagt Holger Becker, Chef der Hegegemeinschaft Zierenberg.

Quelle: HNA

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