Arbeitskreis erstand Soldatenkostüme

Konzentriert marschieren: von links Hannes Richardt (von links), Florian Ley, Anne Fröhlich, Luisa Ley, Aribert Ley und Maren Fröhlich probierten die historischen Kostüme an und versuchten sich im Gleichschritt über den Paradeplatz. Foto: Haaß

Ziegenhain. Gelernt ist gelernt. Als Reserveoffizier weiß Aribert Ley, wie man Soldaten Befehle erteilt.

Mit zackigen Kommandos führte der Lehrer einen kleinen Trupp Grenadiere, Musketiere und Jäger über den Paradeplatz in Ziegenhain und weckte Erinnerungen an die Blütezeit der Wasserfestung. Passanten und Bedienstete der JVA verfolgten neugierig den Aufmarsch der historischen Soldaten.

Gleichschritt

Auch wenn der Gleichschritt nicht immer klappte und sich die Darsteller des Arbeitskreis Festung Ziegenhain beim Kommando „links um“ auch mal nach rechts drehten - Spaß hatten die fünf jungen Leute allemal. Man fühle sich durchaus etwas in die Zeit zurückversetzt, sagte Florian Ley, und Hannes Richardt stellte fest, dass die Soldaten damals doch alle recht schick angezogen waren.

Fundus

Aufgrund der akribischen Recherchen des 2. Vorsitzenden Aribert Ley war es dem Arbeitskreis Mitte des Jahres gelungen, die bei dem HR-Film „Der Winter, der ein Sommer war“ benutzten historischen Kostümen in Berlin ausfindig zu machen. Die Dreharbeiten fanden vor über 40 Jahren auch in Ziegenhain statt. „Trotz des Alters sind die Uniformen in sehr gutem Zustand“, betont Ley.

Mit Vereinsmitteln und Dank Spenden habe man bereits einige Uniformen erwerben können, freut sich der erste Vorsitzende Bernd Völker: „Es ist unser Ziel, möglichst viele Sponsoren zu finden, um einen möglichst großen Fundus zu bekommen.“ Es wäre wünschenswert, wenn sich auch andere Kulturinstitutionen der Schwalm an dem Projekt beteiligen würden, so Völker weiter: „Wir können das allein nicht stemmen.“

Eine Uniform kostet rund 500 Euro. Bislang investierte der Verein 3500 Euro in das spannende Projekt. Als Jugendlicher habe er die Dreharbeiten verfolgt, erzählt der zweite Vorsitzende: „Damals habe ich schon gedacht, die Uniformen wäre eine tolle Sache für Ziegenhain.“

Recherche

Im Laufe der Jahre stellte der Lehrer immer wieder Nachforschungen zum Verbleib der Kostüme an, aber selbst der HR konnte nicht weiterhelfen.

Auf einer Tagung der „Deutschen Gesellschaft für Festungsforschung“ kommt der Trutzhainer 2014 mit seinen Recherchen einen entscheidenden Schritt voran. Der ehemalige Leiter des bayerischen Armeemuseums, Dr. Karl Aichinger, habe ihn an Dr. Gerhard Bauer vom Militärhistorischen Museum der Bundeswehr verwiesen und dieser konnte tatsächlich helfen, erinnert sich der 2. Vorsitzende.

Schließlich fanden sich im Fundus eines Berliner Filmausstatters 140 Kostüme, sagt Ley und Vorsitzender Bernd Völker ergänzt: „Die wollen sich jetzt davon trennen, wenn wir diese Chance nicht wahrnehmen, gehen die Uniformen für unsere Region für immer verloren.“

Lebendige Geschichte

Die Uniformen sollen laut Arbeitskreis aber nicht nur als Anschauungsobjekte im Museum oder der neuen Wache dienen. Man wolle mit den Kostümen Geschichte greifbar machen. Er denke hierbei an Besuche in Schulen oder regelmäßig themenbezogene Vorführungen, so Aribert Ley: „Nur so können sich die Leute das Soldatenleben damals vorstellen.“

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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