Interview: Architekt Friedhelm Bier über die Gestaltung der Kilianskapelle

Kilianskapelle - ein archaisches Gebäude

Büchenwerra. Die Gestaltung der Kilianskapelle in Büchenwerra war für die Planer eine Herausforderung: Die Kapelle durfte nicht viel kosten, musste sich in die Landschaft einfügen und ebenso Gotteshaus wie Radlertreff und weltlicher Veranstaltungsort sein.

Friedhelm Bier

Wir sprachen mit dem Spangenberger Architekten Friedhelm Bier darüber, wie er die verschiedenen Anforderungen unter einen Hut gebracht hat.

Der Verein Kilianskapelle verfügte in Büchenwerra für sein Bauvorhaben nur über ein extrem schmales Grundstück nahe der Fulda und außerhalb der Dorfbebauung. Gefordert war ein Multifunktionsgebäude: Trauungen und Gottesdienste sollten ebenso möglich sein wie Radlertreffs und kulturelle Veranstaltungen. Wie geht das?

Bier: Das kleine Grundstück war in der Tat ein großes Problem. Ich habe den Grundriss des Gebäudes leicht diagonal angelegt und so einige Zielkonflikte gelöst. So war es möglich – wie in Kirchenräumen üblich – den Altar nach Osten auszurichten. Eine Glaswand dahinter kann komplett geöffnet werden, so dass der Kapellenraum zu einer Art Bühne wird und zum Osten hin einen Platz für eine Festgemeinde erhält. Von dort führt ein Weg mit Treppenstufen bergan nach Osten und bergab in Richtung Westen. Damit war das schmale Grundstück gut genutzt.

Gerade durch die Glaswand erscheint die Kapelle innen viel größer als sie ist. Von außen wirkt das Gebäude eher filigran. Wie kommt es zu diesen Größenwahrnehmungen?

Bier: Die Kapelle schraubt sich vom Osten aus schneckenförmig in die Höhe. Der höchste Punkt wirkt wie ein Turm, wie ein Zeigefinger, der darauf aufmerksam macht: Hier ist die Kirche. Dort ist sogar Platz für eine Glocke eingeplant.

In der Kapelle gibt es nur ein paar Sitzhocker aus wunderbarem Eichenholz. Der Altar ist aus massivem Stahl. Die Sicht zur Fulda ist versperrt. Das Glas der Fenster zum Westen und Süden indes spiegelt in Farbe und Form die Flusslandschaft wider. Welche Idee steckt dahinter?

Bier: Die Kapelle ist ein archaisches Gebäude geworden. Es gibt kein Wasser und keine Heizung. Das Mobiliar ist absichtsvoll unbequem. Jede Aussicht auf die Fulda ist ausgeschlossen. So ist ein introvertierter Raum entstanden.

Unüblich für Kirchenräume ist ein Dachüberstand. Im Fall der Kilianskapelle ist sogar ein Doppeldach entstanden, und weil alles begrünt ist, wirkt es wie ein Ökodach. Wie passt das zusammen?

Mehr als Farbtuper: Glasflächen in der Kapelle.

Bier: Die Kapelle ist in Vereinshand und dient nach der Satzung neben kirchlichen vor allem auch weltlichen Zwecken. So ist unter dem Dachüberstand direkt am Fernradweg R 1 ein Rastplatz für Radler entstanden. Der aber ist nur über die Treppe zugänglich, was signalisiert: Lasst das Fahrrad am Weg stehen. Unter dem Dach findet aber auch eine Konzertgemeinde Schutz vor Regen. Der Kapellenraum wird dann zur Bühne.

Bei den Baustoffen haben Sie auf einen Materialmix aus Lehm, Holz, Ziegelstein, Stahl und Glas gesetzt. Hat das über die reine Anmutung hinaus Bedeutung?

Bier: Ich musste darauf reagieren, dass sich in einem so kleinen Raum plötzlich auch einmal zehn und mehr Menschen aufhalten können. Der Lehmputz und die 30 Millimeter starken Eichendielen nehmen dann Feuchtigkeit auf und geben sie beizeiten wieder ab. Auch die Holzdecke ist in diesem Sinne nur geölt. Und das begrünte Dach soll das Gebäude nahtlos in die Flusslandschaft einbetten. Dabei findet sich die für den Bau geopferte Rasenfläche auf dem Dach wieder. So steckt in den Materialien immer auch eine Absicht.

Quelle: HNA

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