Argentinier im Landkreis sehen Jubel um die Papstwahl verhalten

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Argentinier in der Schwalm: Diego Sebastián Fabas und Mariella Medina de Krudewig äußerten sich zur Papstwahl.

Wasenberg . „Als ich von der Arbeit nach Hause kam, gratulierte mir mein Mann: Argentinien ist Papst", erzählte Mariella Medina de Krudewig. Die Argentinierin lebt in Wasenberg, sie stammt eigentlich aus Buenos Aires und wurde im Stadtteil Flores geboren - genau wie der Papst, wie sie betont.

Über das soziale Netzwerk Facebook erfuhr der Argentinier Diego Sebastián Fabas aus Trutzhain die Nachricht der Papstwahl am Mittwochabend. Eine Freundin von ihm hatte die Neuigkeit veröffentlicht: „Sie ist sehr religiös und hatte den Papst früher bei Kirchenfahrten kennengelernt.“

„Die Argentinier feiern, als wäre sie Weltmeister geworden“, berichtete der 30-Jährige. Dies bestätigte auch seine Landsfrau, die bereits mit ihrer Familie in Buenos Aires telefoniert hatte.

„Es ist das Einzigste, das die Leute derzeit glücklich macht: Feiern“, sagte die 36-Jährige. Denn viele Argentinier seien in ihrem Heimatland frustriert. „Im Internet hieß es gestern sogar, dass in Argentinien wegen der Papstwahl ein neuer Feiertag eingeführt werden soll“, berichtete Diego Sebastián Fabas.

Den Jubel können sie nicht ganz nachvollziehen: Denn in Argentinien werde der Papst nicht viel ändern können, da sind sich die beiden einig. Auch inwieweit es für Franziskus möglich sei die katholische Kirche zu reformieren, sehen die beiden Argentinier eher verhalten. „Ein Papst kann sich nicht gegen die gesamte Kirche stellen“, fügte Mariella Medina de Krudewig an. Der neue Papst habe den Ruf eines konservativen Klerikers: Für die Ehe unter Homosexuellen oder für Abtreibung werde er sich nicht einsetzen.

In den ärmeren Schichten Argentiniens sei Jorge Mario Bergoglio sehr bekannt. Er war immer in den Elendsvierteln, den sogenannten Villas Miserias, unterwegs gewesen, um vor Ort zu helfen. Er gilt als bescheiden. „Ich habe gelesen, er hört gern klassische Musik und ist ein Fußballfan“, erzählte die 36-Jährige.

Warum ein argentinischer Kardinal in das höchste Amt der katholischen Kirche gewählt wurde, erklären sich die beiden Argentinier durch den großen Anzahl an Katholiken in Südamerika. „Protestanten gibt es kaum, man wird quasi als Katholik geboren“, sagte Fabas. (cls)

Quelle: HNA

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