Harald Fennel, Verdi-Chef von Nordhessen, hielt vor 250 Zuhörern flammende Rede

„Armut breitet sich aus“

Flammende Rede: Harald Fennel. Fotos: Mangold

Borken. Über die Unzufriedenheit mit der aktuellen Krisenpolitik der Bundesregierung und dem strikten Sparkurs in Europa sprach Harald Fennel, Bezirksgeschäftsführer von Verdi Nordhessen bei einer Kundgebung zum 1. Mai in Borken. Dazu hatte der Borkener Ortsverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in den Themenpark „Kohle und Energie“ eingeladen. Rund 250 Zuhörer waren zur Kundgebung gekommen.

„Aus der Bankenkrise ist eine soziale Krise geworden“, sagte Fennel. Armut breite sich aus, die Arbeitslosigkeit in Europa steige an. Daher forderten die Gewerkschaften gleichen Lohn für gleiche Arbeit und Mindestlöhne.

Prekäre Arbeitsverhältnisse

Nach der Ausbildung müsse es unbefristete Einstellungen geben, damit die Wende zur sicheren Arbeitswelt gelänge. Derzeit arbeiteten in Deutschland 48 Prozent der unter 25-Jährigen in prekären Arbeitsverhältnissen. 80 Prozent der Teilzeitbeschäftigten seien weiblich. In vielen Berufen wie Grundschullehrer und Kindergärtner arbeiteten kaum Männer, weil die Löhne zu niedrig seien. Wer heute für Hungerlöhne arbeite, zahle wenig Steuern und lande später in Altersarmut. Beispiele gebe es auch in der Region: Wegen zu geringer Löhne protestierten die Mitarbeiter der Wicker-Kliniken. Die Logistikfirma Scherm spiele in der Champions League, was die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens anginge, aber bei den Löhnen spielten sie nur in der Kreisliga. Die Gewerkschaften forderten daher einen gerechten Anteil für Arbeitnehmer an der erwirtschafteten Leistung der Unternehmen. Für seine flammende Rede erhielt Fennel viel Applaus vom Publikum.

Manuel Sauer, Geschäftssekretär von Verdi Nordhessen, bestätigte die Worte des Redners in Bezug auf die niedrigen Löhne der Logistikmitarbeiter in der Automobilzuliefererbranche wie der Firma Scherm. „Das ist nicht nur eine 1. Mai-Rede, das sind wirtschaftliche Fakten“, meinte er.

Die Gewerkschaft habe bei den rund 1000 Beschäftigen, die bei Zulieferfirmen der VW-AG arbeiteten, Löhne weit unter dem Tarif festgestellt. Etwa jeder fünfte sei zusätzlich zu seiner normalen Beschäftigung auf Hartz IV angewiesen. Die VW-AG müsse als Auftraggeber dafür sorgen, bei Ausschreibungen nicht zu viel Druck auf die Subunternehmer auszuüben, außerdem sollten auch dort die Löhne tariflich gebunden werden.

Karl Schaub, stellvertretender DGB-Vorsitzender des Ortsverbandes Borken bedauerte bei der Begrüßung, dass die Jugend nicht mehr wüsste, warum der 1. Mai der Tag der Arbeit und ein Feiertag sei: „Unsere Vorfahren haben sich verprügeln lassen, ihnen zum Dank haben wir heute hier zu sitzen“, meinte er im Rückblick auf den Kampf der Arbeiterbewegung. Zur Mai-Wanderung könne man auch noch später am Tag aufbrechen. Für musikalische Unterhaltung sorgten der Borkener Bläserchor und der Knappenchor.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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