Zirkus ließ sie auf Gastspielreise zurück – Nun brauchen sie unbedingt eine Zugmaschine

Artisten-Familie sitzt fest

Mit den Nerven am Ende: Die Zirkusartisten Harry Bügler, Carmen Bügler und Bernhard Bügler mit der zweijährigen Tochter Madonna (von links) leben auf einer Wiese in Frielendorf. Foto: Göbel

Frielendorf. „Wir wissen nicht mehr weiter. In so einer Situation sind wir noch nie gewesen“, sagt Harry Bügler. Der selbstständige Artist aus Frankfurt sitzt mit seinem Bruder Bernhard, dessen Frau Carmen und deren zweijähriger Tochter Madonna in Frielendorf fest. Sie waren mit einem Zirkus auf Gastspielreise im Schwalm-Eder-Kreis. Da der Zirkus zuletzt unter finanziellen Problemen litt, konnten er die Artisten nicht weiter mitnehmen und setzte sie kurzer Hand aus. Seit drei Wochen lebt die kleine Familie auf einer ungemähten Wiese direkt neben dem Rewe-Markt.

Ein Bauer hat ihnen den Platz zur Verfügung gestellt. Wasser und Strom bekommen sie von einem Anwohner. Da die Artisten vier Ponys dabei haben und ihnen die Zugmaschine für den Pferdeanhänger fehlt, kommen sie nicht mehr weiter. „Wir hangeln uns von Tag zu Tag durch. Heu für die Tiere muss ich jeden Tag bei Bauern erbetteln. Unser Vorrat an Lebensmitteln geht langsam auch zu Ende“, sagt Harry Bügler mit verzweifelten Gesichtsausdruck.

Eine Zugmaschine wäre unsere Rettung, dann könnten wir in der Region Zirkusvorstellungen geben, ein kleines Zelt haben wir ja. Dann würde wieder etwas Geld in die Kasse kommen, sagt Bernhard Bügler.

Immer auf Reisen

Sein ganzes Leben sei er auf Reisen gewesen. Mit verschiedenen Zirkusunternehmen fuhren die Büglers quer durch die Republik. Bereits in vierter Generation führt Harry Bügler die Tradition seiner Familie weiter. „Es ging immer. Wir hatten zwar nicht viel, aber zum Leben reichte es.“

Dann vor fünf Monaten, folgte ein Problem dem anderen. „Erst ging unsere Zugmaschine kaputt. Da waren wir ständig abhängig von anderen. Finanziell wurde es auch schlechter. Manche Vorstellungen spielten wir vor gerademal zehn Zuschauern“, sagt Harry Bügler.

Den einzigen Ausweg sehen die Artisten in einer Zugmaschine. Ohne die gehe es nicht weiter. Eine Werkstatt in Frielendorf vermietet solche Zugmaschinen. Die Kosten liegen bei 2500 Euro. Das können sich die Büglers aber nicht leisten.

„Meine Hoffnung ist, dass uns jemand hilft, hier weg zu kommen. Wir wollen keine Sozialfälle werden“, sagt Bernhard Bügler.

Von Daniel Göbel

Quelle: HNA

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