Andreas Werner aus Knüllwald: Forst- und Umweltdienst wollte Gefahr vertuschen

Andreas Werner: Forst- und Umweltdienst wollte Asbest-Gefahr vertuschen

Schwalm-Eder. Andreas Werner aus Knüllwald erhebt schwere Vorwürfe: Er ist sicher, dass bei der Dachsanierung der Lagerhalle am Homberger Brennholzhof Asbest freigesetzt wurde.

Werner ist Mieter einer Parzelle und hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, auf Grund dessen die Bauaufsicht kürzlich ein Nutzungsverbot ausgesprochen hat. Die Expertise wies Asbestfasern in der Halle auf.

Werner war im vorigen Frühjahr umgezogen, hatte einen großen Teil Hausrat in der Halle eingelagert. In dieser Zeit wurde das Dach erneuert. Die Firma habe ein Personenfangnetz gespannt, sagt der Mieter - allerdings sei das so grobmaschig gewesen, dass es keinerlei Schutz vor herabfallenden verunreinigten Teilchen geboten habe.

Streit vor Gericht

Damals habe er beim Forst- und Umweltdienst nachgefragt, ob vom Abbau der asbesthaltigen Welleternitplatten eine gesundheitliche Gefährdung ausgehe. Statt einer Antwort, sagt Werner, habe er jedoch die fristlose Kündigung erhalten.

Mittlerweile ist der Streit zwischen den Parteien vor Gericht gelandet. Zudem gibt es auch eine private Initiative, die Werner unterstützt. Auch Delf Schnappauf aus Wernswig ist davon überzeugt, dass beim Umbau nicht alles mit rechten Dingen zuging. „Die technischen Richtlinien für den Abbau von asbesthaltigen Dachplatten wurden nicht eingehalten“, sagt er, die Innenräume seien nicht vor dem Eindringen von Fasern geschützt worden.

Reinigung ist teuer

Andreas Werner wirft dem Forst- und Umweltdienst vor, dass er ein Umweltdelikt vertuschen wollte. Aber er ist bereit, seinen - ja auch längst gekündigten - Hallenabschnitt zu räumen. Aber nur dann, wenn der Forst- und Umweltdienst die fachgerechte Reinigung der dort eingelagert Gegenstände - darunter Modellflieger, Reifen, ein Pavillon, viele Kisten - übernimmt. Eine solch spezielle Reinigung sei teuer, sagt Werner. Er will die Kosten keinesfalls tragen.

Was er nicht versteht: Die Bauaufsicht habe das Nutzungsverbot erst ausgesprochen, nachdem er selbst die Kreisverwaltung auf die Gefahrenquelle hingewiesen habe. Als Dank habe er die Rechnung für die Nutzungssperre erhalten: 250 Euro. Die will er nicht zahlen.

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Die Halle mag er wegen möglicher Asbestablagerungen und gesundheitlichen Gefahren nicht mehr betreten. Seine Nachbarn rundum aber scheint weder die Gefahr noch das Betretungsverbot zu beeindrucken: Kein anderer Mieter geht derart auf die Barrikaden. Eine Tatsache, die auch Andreas Werner erstaunt. Seine Erklärung: „So mancher hat wohl Angst, dass ihm auch gekündigt wird, wenn er unbequeme Fragen stellt.“

Horst Abel vom Forst-und Umweltdienst dementiert die Vorwürfe. Die fristlose Kündigung der Hallenparzelle sei wegen vorangegangener Querelen erfolgt und auch deshalb, weil die Parzelle anderweitig genutzt werden soll. Keinesfalls sei die Kündigung wegen unbequemer Fragen erfolgt.

Der Betrieb werde auch nicht die Reinigungskosten für die von Werner gelagerten Gegenstände übernehmen: „Wenn es wirklich stimmt, dass bei der Sanierung etwas schief gegangen ist, werden wir alle Mieter gleich behandeln“, sagte Abel.

Der Forst- und Umweltdienst habe den Eindruck, dass es Werner nicht etwa um gesundheitliche Gefahren, sondern um seinen persönlichen, finanziellen Vorteil gehe, sagte Abel. „Wenn wir wirklich etwas vertuschen wollten, wären wir doch sofort auf die Forderungen von Herrn Werner eingegangen, um bloß Ruhe zu haben.“

Delf Schnappauf aus Wernswig stellt sich hinter Andreas Werner. „Ich mache mich damit für alle stark, die hier arbeiten oder Parzellen gemietet haben“, sagte Schnappauf, der auch für Die Grünen im Parlament sitzt.

Selbst wenn Werner seine Halle schnell räume: „Für die anderen, die hier zu tun haben, ist die Gefahr noch nicht vorbei“, begründet Schnappauf sein Engagement.

Das jüngste Gutachten sei in Absprache mit Bauaufsicht und Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben worden, betont Horst Abel. „Nur für den Fall, dass der Vorwurf erhoben wird, dass es sich um eine lancierte Expertise handelt“, fügt er hinzu.

Probenentnahme und Auswertung liege in der Hand von unabhängigen Experten. Der Forst- und Umweltdienst gehe davon aus, dass es sich um das nun letzte, verbindliche Gutachten handele, dessen Gültigkeit nicht mehr angezweifelt werden könne. „Falls dabei wirklich ein positives Asbest-Ergebnis herauskommen sollte, werden wir die Sache schnellstmöglich aus der Welt schaffen“, sagt Abel. „Daran haben wir selbst das allergrößte Interesse.“

Der Gutachter entnahm am Dienstag überall außer in den Parzellen 1 und 10 Proben. Deren Mieter waren nicht erreichbar, um die Türen zu öffnen, sagt Abel.

Quelle: HNA

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