Hombergs Bürgermeister Nico Ritz: „Die Klinik ist Geschichte“

Asklepios: Wohngebiet auf Ex-Krankenhaus-Gelände ist einzig realistische Nutzung

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Das ehemalige Krankenhaus: Möglich wäre, dass es bald abgerissen wird. 

Homberg. Das Bild sieht verlockend aus: Über 35 Wohnhäuser entlang der Melsunger Straße, einige davon seniorengerecht. Dort, wo das ehemalige, fast leerstehende Asklepios-Krankenhaus verfällt.

Jetzt gibt es Pläne, das Gebäude abzureißen und dort ein Wohngebiet entstehen zu lassen. Bevor der Konzern den Abriss in die Tat umsetzt, müsste die Stadt planungsrechtlich aktiv werden. Grund: Das Krankenhaus steht in einem „Sondergebiet Krankenhaus“. Eine andere Nutzung ist nicht zugelassen.

„Wir brauchen Klarheit, was die Stadt will“, sagte Oliver Rong, Leiter der Konzernentwicklung im HNA-Gespräch. Ohne klare Planungsperspektive werde man keinen Interessenten finden. Wie weit Asklepios das Projekt begleite, stehe noch nicht fest. Eine mögliche Variante: Die Umsetzung mit einem Bauträger. Wohnungsbau sei nicht die Kernkompetenz von Asklepios. Man könne aber in einem Jahr in die Vermarktung gehen.

Zunächst sollen die Abrisskosten ermittelt werden. „Wir suchen nach möglichen Altlasten. Wer weiß, was 1960 verbaut wurde“, so Rong. Die Abrisskosten trage Asklepios - frühere Schätzungen gingen von einer Million Euro aus. Einen mittleren fünfstelligen Betrag kostet den Konzern die Unterhaltung der Gebäude derzeit pro Jahr.

„Kein großes Geschäft“

Gespräche hat Asklepios auch schon mit den Betreibern der gegenüber liegenden Senioren-Residenz Papillon geführt. „Sie könnten sich vorstellen, sich an einer Entwicklung zu beteiligen“, so Rong.

Ein großes Geschäft werde man mit einem möglichen Wohngebiet nicht machen. Rong sprach davon, dass die Erschließung teuer sei. Sollte Geld übrig bleiben, werde das in den Ausbau der Krankenhausstruktur in Melsungen und Schwalmstadt fließen.

Nicht nur stadtplanerisch könnte Homberg beteiligt sein: Städtisches Gelände grenzt an das Asklepios-Areal und dort ließe sich die Bebauung fortsetzen. „Wir reden insgesamt über 40 000 Quadratmeter, von denen nur dreiviertel im Asklepios-Eigentum stehen“, so Rong. Jeder hätte dann seinen Teil der Kosten zu tragen.

Er versicherte, dass man nicht untätig war. Nutzungsalternativen habe man geprüft und wieder verworfen. Ärztehaus, Altenpflege, Flüchtlingsunterbringung, Hotel, Büronutzung, Fachhochschule, Verwaltungssitz, all das sei denk-, aber nicht umsetzbar gewesen. Weil es nicht wirtschaftlich wäre oder es schon ähnliche Einrichtungen gibt. Wohnbebauung sei die einzig realistische Nutzung. Eine, die der Stadt entgegenkomme.

Sicht der Stadt

„Es muss etwas passieren. Das Potenzial liegt in der Fläche, nicht im Gebäude“, sagte Bürgermeister Dr. Nico Ritz. Und: Die Wohnbebauung sei die bevorzugte Variante. Eine Lösung, die wirtschaftlich sein könnte. „Die Klinik ist Geschichte“, sagte Ritz.

In der anschließenden Ausschusssitzung musste er das wiederholen. Dabei ging es teils emotional zu. Der Ärger über die Krankenhaus-Schließung sitzt bei so manchem Homberger noch sehr tief. Klaus Bölling (Grüne) warb für das stadtnahe Wohngebiet. „Die Stadt soll eine Zukunft haben und das gelingt nicht, wenn wir Dingen hinterher trauern.“

Quelle: HNA

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