Reinhard Doubrawa nennt sich Konzeptkünstler und ist am liebsten unterwegs

Im Atelier ist’s langweilig

Treysaer am Treysaer Wahrzeichen: Unser Foto von Reinhard Doubrawa entstand an der Totenkirche. Foto: Heist

Schwalmstadt. Reinhard Doubrawa (47) aus Treysa liebt die Abwechslung. Sich ausschließlich einer Kunstform zu widmen, ist nicht die Sache des Konzeptkünstlers. „Ich langweile mich sehr schnell. Ich bin auch kein Typ, der sich gerne wiederholt“, sagt er über sich selbst.

Entsprechend vielfältig sind die Techniken und Materialien, mit denen er arbeitet. Fotografien, Federzeichnungen, Papierschnitte, Installationen: Kunst, die sich auch der Selbstinszenierung bedient.

Er mache nicht Kunst der Kunst wegen, so Doubrawa. Alle alltäglichen Themen seien für ihn mehr oder weniger wichtig. Eine bevorzugte Technik oder ein Lieblingsmaterial habe er nicht. Für den Künstler hat jedes Material seine eigene Qualität.

Umrisse von Militärfahrzeugen aus Kunstrasen an weißen Wänden, aus Holz gefertigte Comicschriftzüge wie „BADABOOM!!“ und „BANG BANG!“ an einem Gerüst, kahle Hotelräume, die durch einen blauen Anstrich und Lichtkästen vor den Fenstern noch kälter wirken – nicht selten wird der Ausstellungsraum selbst zum Kunstobjekt.

Und immer wieder Fotos: Bilder von Klimaanlagen an einem Hochhaus, das Innere eines alten, mit Getränkedosen zugemüllten Autos, Grillwürstchen im halbgaren Zustand („nicht inszenierte Schnappschüsse“), Detail- und Momentaufnahmen, die Ausschnitte des alltäglichen Lebens festhalten.

Doubrawa beschäftigt sich intensiv damit, wie man Wahrnehmungen künstlerisch umformen kann, und welche Techniken und Materialien sich für die Umsetzung eignen. Entscheidend ist für ihn die Frage, wie Wahrnehmungen entstehen und wodurch sie ausgelöst werden. Auch das, was man auslasse, sei von Bedeutung, sagt er.

Dass er gerne in Serien arbeitet, die sich über Jahre hinziehen können, stellt keinen Widerspruch zur Inter-essen- und Arbeitsvielfalt des ausgebildeten Goldschmiedes dar. In seinem Schaffen kommt es immer wieder zu Sprüngen. Eine Serie wie die „News“, eine fortlaufende Reihe von Freihandzeichnungen, die nach Fotos des Nachrichtenmagazins Der Spiegel entstanden, bezeichnet er als abgeschlossen, wenn es nicht mehr „klickt“.

Die sowohl analog als auch digital entstehenden Fotos sind des Künstlers bisher längste Serie. „Sie werden weitergehen, bis ich gezielt nach neuen Motiven suche,“ erklärt er. Für Doubrawa ist Kunst auch etwas sehr Intimes, bei dem er nicht gestört werden will. „Bei Installationen genieße ich den Moment nach der Vollendung, bevor das Publikum eintrifft“, sagt er.

Der Künstler ohne festes Atelier ist viel unterwegs. Er arbeitet in seinem Büro in Köln und an anderen Orten. Auch in Treysa, wo er nach wie vor einen großen Teil seiner Zeit verbringt.

• Das Buch „ALLES, Beispiele und Details“ ist soeben im Salon-Verlag erschienenen, Monographie über das Werk Doubrawas, mit Textbeiträgen von Reinhard Ermen, Joachim Geil und Doris Krininger, Englisch und Deutsch, 25 Euro.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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