45-Jähriger muste sich wegen versuchten Mordes und Körperverletzung verantworten

Attacke mit dem Hosengürtel

Marburg/Stadtallendorf. Mit einer zeitlich unbefristeten Unterbringung in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik ahndete das Marburger Schwurgericht nach zwei langen Verhandlungstagen einen versuchten Mord und eine gefährliche Körperverletzung eines 45-jährigen Stadtallendorfers.

Im September vergangenen Jahres hatte sich ein seit längerer Zeit arbeitsloser ehemaliger Textilarbeiter türkischer Abstammung in einem Stadtallendorfer Café einer jungen Frau, der besten Freundin seiner geschiedenen Frau, von hinten genähert und sie anschließend mit seinem vorher gelösten Hosengürtel massiv gewürgt.

Trotz dieser brutalen Attacke hatte sich die junge Frau zunächst befreien können. Als dem Mann ein weiterer Würgeversuch nicht gelungen war hatte er die junge Frau an den Haaren ergriffen und ihren Kopf mehrmals gegen die Wand geschlagen.

Erst als eine Angestellte des Cafes die Polizei anrief hatte der Mann von der Geschädigten abgelassen, ihr aber gleichzeitig angekündigt sie beim nächsten Zusammentreffen umbringen zu wollen. Die Polizei, die den Mann anschließend in Gewahrsam nahm, hatte bei ihm eine Alkoholkonzentration von 1,5 Promille festgestellt. Seit diesem Vorfall ist der Mann auf Antrag der Staatsanwaltschaft in der geschlossenen Abteilung der psychiatrischen Klinik in Haina untergebracht worden.

Bereits im Juli 2011 war es in einer Stadtallendorfer Diskothek zu einem ähnlichen Vorfall gekommen, als der 45-jährige eine 21-jährige junge Frau, die am Ausgang eine Zigarette rauchte, aus heiterem Himmel, unvermittelt und völlig grundlos angegriffen hatte.

Fasste an den Hals

„Plötzlich fasste er mir an den Hals und drückte zu“, berichtete die 21-jährige vor Gericht. Nur durch sofortige heftige Gegenwehr und Hilfestellung von anderen vor der Tür stehenden Diskobesuchern, darunter auch der Türsteher des Tanzlokals, hatte sie sich von dem Würgegriff des Mannes befreien können.

Eine entscheidende Bedeutung für die Urteilsfindung stellte für das Gericht das Gutachten einer Fachärztin für Psychiatrie dar. Die Ärztin, die den Mann seit längerem in der forensischen Psychiatrie in Haina beobachtet und behandelt attestierte ihm unter anderem eine kombinierte organische Persönlichkeitsstörung, eine Spielsucht und eine starke Alkohol- und Nikotinabhängigkeit. Seine Steuerungsfähigkeit sei bei beiden Taten durch den Alkoholgenuss erheblich herabgesetzt gewesen.

Für die Staatsanwaltschaft hatten sich nach dem Gutachten und der Anhörung von insgesamt 16 Zeugen alle Anschuldigungen als erwiesen herausgestellt.

Geschlossene Anstalt

„Die Merkmale des versuchten Mordes sind erfüllt. Sie haben allerdings für das Urteil keine Bedeutung. Eine Aussetzung zur Bewährung kam für das Gericht keinesfalls in Betracht. Die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt war unbedingt anzuordnen“, stellte der Richter in seiner Urteilsbegründung fest.

Da sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage auf Rechtsmittel verzichteten ist das Urteil rechtskräftig. (zaw)

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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