Attentat auf eine Birke

Baum in Körle wurde angebohrt

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Fast kahl: Doris Harras fürchtet, dass die Birke vor ihrem Haus nie wieder austreiben wird.

Körle. Eine Birke verliert von einem Tag auf den anderen ihr ganzes Laub. Was nach einem Fall für den Gärtner aussieht, beschäftigt nun die Polizei: Sie sucht nach einem unbekannten Täter, der den Baum möglicherweise vergiftet hat.

Doris Harras dachte sich erst nichts Böses dabei, als die Birke vor ihrem Haus in Körle plötzlich fast alle Blätter verlor. „Ich dachte, der Baum sei eben krank“, erinnert sie sich. Doch dann entdeckte sie mehrere Löcher im Stamm.

Die 57-Jährige wurde stutzig, sie rief bei der Hessischen Gartenakademie an und schilderte den Vorfall. Die Experten dort äußerten einen schlimmen Verdacht: Offenbar habe jemand die Birke angebohrt und Gift in den Stamm gespritzt.

„Das war ein entsetzliches Gefühl“, sagt Doris Harras, die mit ihrem Mann Dieter vor 25 Jahren nach Körle gezogen ist. „Damals stand die Birke schon vor dem Haus, wir haben sie nicht gepflanzt“, erklärt sie. Wie alt der Baum ist, weiß Doris Harras nicht genau - „mindestens 30 Jahre“, schätzt sie. Schon immer habe es mit den Nachbarn Ärger wegen der Birke gegeben. „Die Zweige reichen über unsere Grundstücksgrenze, im Herbst fallen die Blätter auf den Gehweg“, erklärt Doris Harras. „Aber wir haben das Laub immer weggeräumt“, fügt ihr Mann hinzu.

Am Stamm des Baums hat sie mehrere große Bohrlöcher entdeckt (kleines Bild). Foto: Féaux de Lacroix

Verdächtigen wollen die beiden niemanden, doch sie sind überzeugt, dass jemand den Baum zerstören wollte. Sie haben deshalb die Polizei eingeschaltet.

Die ermittelt nun wegen Sachbeschädigung, sagt der Polizeisprecher Reinhard Giesa. Wenn derVerantwortliche gefasst würde, müsste er mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe rechnen. Doch den Täter zu finden, wird schwierig, sagt Giesa. Die Nachbarn wurden befragt, doch niemand hat etwas beobachtet. Der Sachschaden beläuft sich laut Giesa auf 300 Euro. Aber der ideelle Wert der Birke ist größer. „Ich habe mich immer gefreut, wenn ich nach Hause gekommen bin und die Linde vor unserem Haus gesehen habe“, sagt Dieter Harras, der wegen einer Herzkrankheit behandelt wird.

Um zu erfahren, ob die Birke tatsächlich vergiftet wurde, müsste man den Baum untersuchen lassen. „Aber das müssten wir selbst bezahlen“, sagt Doris Harras. Das Geld wollen sie und ihr Mann lieber sparen - für den Fall, dass sie den Baum auf eigene Kosten fällen müssen. Denn möglicherweise hat die Birke nicht nur ihr Laub verloren, sondern ist auch nicht mehr so standfest wie vorher, und könnte bei einem Sturm umknicken.

„Es würde uns schwer fallen, die Birke zu fällen“, sagt Doris Harras. Noch will sie die Hoffnung nicht aufgeben, dass der Baum sich erholt - und doch noch einmal austreibt.

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Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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