Attentat in der Türkei: Urlauber im Schwalm-Eder-Kreis verunsichert

Ist die Türkei zurzeit ein attraktives Urlaubsziel? Die Reisebüros in der Region machen unterschiedliche Erfahrungen. Die Homberger HNA-Redakteurin Claudia Brandau mit einem Reisekatalog der Türkei. Foto: Elisa Mand

Schwalm-Eder. Die Reisebüros in der Region reagieren auf die Anschläge, die das Urlaubsland Türkei in den vergangenen Monaten immer wieder erschüttert.

Der Anschlag auf dem Atatürk-Flughafen in Istanbul am Dienstag fällt in eine Zeit, in der nur wenige Menschen in die Türkei reisen. Das Land wird derzeit regelmäßig von Attentaten erschüttert. Deswegen hätten viele bereits andere Länder im Blick, berichtet die Leiterin eines Reisebüros aus der Region, die nicht genannt werden möchte.

„Viele haben schon vor Wochen umgebucht“, sagt die Leiterin. Einige würden Spaniens Küste ansteuern, viele gleich in Deutschland bleiben. „Nord- und Ostsee sind rappelvoll“, sagte sie weiter gegenüber der HNA.

Zumindest von Ausflügen in die türkischen Metropolen rät Kerstin Lang vom Reisebüro Schmidt derzeit ab. Aktuell halte sich dort auch niemand ihrer Kunden auf, sagt die Büroleiterin aus Treysa: „Wir hatten zuletzt nur wenige Nachfragen.“

Türkei-Urlauber würden eher die Ägäis ansteuern, zu der auch der beliebte Küstenstreifen Riviera gehört. Dort sieht Lang keine Gefahr: „Bis jetzt ist dort alles ruhig, wir haben keine Warnungen.“ Flugzeuge, die Touristen dorthin bringen, landen nach Aussage von Lang nicht in Istanbul, sondern ohne Zwischenstopp in Antalya oder anderen Orten in der Urlaubsregion, darunter Dalaman und Izmir.

Stephan Walz vom Reisebüro Felgenhauer in Ziegenhain hat nach eigenen Angaben derzeit auch keine Flüge nach Istanbul gebucht. Nachfragen von besorgten Kunden, die in der Türkei sind oder eine Reise dorthin planen, gäbe es aber auch nicht. „Bis jetzt ist alles ruhig“, sagt der Büroleiter. Seine Gästen würden vorrangig an der Riviera Urlaub machen.

Reisebüros aus... Fritzlar

Die Risikolage sei gestiegen, sagt Adolf Köhler von Meltemi-Reisen Reisebüro in Fritzlar: Doch die schrecke Stammkunden nicht davon ab, in die Türkei zu reisen. Es seien eher die Neukunden, die sich skeptisch zeigten und lieber auf Länder wie Spanien auswichen.

Eine sinkende Nachfrage wegen des Terrors registriert auch Pedro Da Silva, vom gleichnamigen Reisebüro in Fritzlar. Viele Hotels in der Türkei stünden deswegen leer und lockten nun mit günstigen Angeboten.

Auch Griechenland erlebe nach Flüchtlings- und Wirtschaftskrise wieder einen touristischen Aufschwung, ergänzt die Mitarbeiterin eines Fritzlarer Reisebüros, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte.

...Borken

Auf die Türkei als sehr erschwingliches Urlaubsland weist auch Andrea Becker-Bott vom Borkener Reisebüro Bott hin. Während in den Ausweichzielen die Preise stiegen, könnten Urlauber nun in der Türkei von den günstigen Preisen profitieren.

Karl Martin Gabbey vom TUI Reisecenter Borken dagegen hat erst gestern für Kunden eine Türkeireise gebucht. „Viele unserer Stammkunden fühlen sich in der Türkei superwohl und supersicher“, sagt Gabbey. „Viele sagen, dass überall etwas passieren kann: beim Hamburger Hafenfest, beim Frankfurter Weihnachtsmarkt - oder in Antalya am Strand.“

...Homberg

Das Reisebüro Holiday Land in Homberg bietet Städtereisen nach Istanbul aus Sicherheitsgründen schon länger nicht mehr an, berichtet Inhaber Helmut Eyl. Viele türkische Hotelanlagen seien geschlossen. Selbst Stammgäste, die sich eigentlich nicht abschrecken lassen wollten, seien gezwungen, nun eine Alternative zu finden.

Die türkische Tourismusbranche habe sich zwar in den sichereren Regionen wie Side und Belek leicht erholt, doch wichen viele Kunden auf Länder wie Ungarn und Mallorca aus. Dort seien die Preise durch die höhere Nachfrage deutlich gestiegen.

...Melsungen

Unglaubliche 70 Prozent weniger Umsatz für Türkeibuchungen verzeichnet Jürgen Degethof vom Tui Reisecenter in Melsungen dieses Jahr. Zwar gebe es auch Kunden, die keine Anschläge befürchteten: „Viele sagen, dass ihnen überall etwas passieren könnte“, berichtet Degethof. Oft aber seien die Menschen einfach auch nicht mit den politischen Verhältnissen in der Türkei einverstanden, und wollten mit alternativen Reisezielen ein Zeichen dagegen setzen. Für sie stellten vor allem Spanien und Italien attraktive Ausweichziele dar.

...Malsfeld

Gudrun Unger-Stöppler von der Reisekiste Malsfeld berichten sogar von 80 Prozent weniger Buchungen für die Türkei. „Die Menschen wollen sich keiner Gefahr aussetzen“, sagt sie: „Schon gar nicht im Urlaub.“ Sie berichtet von deutlich mehr Buchungen im Inland. „Nord- und Ostsee sind wirklich rappelvoll“, bestätigt auch eine Reisekauffrau aus der Schwalm. Städtereisen und Aktivurlaub lägen im Trend. Auch Reisen in die USA würden stark nachgefragt.

HNA-Redakteur in Antalya

Wie die Stimmung unter den Urlaubern in der Türkei gerade ist, weiß HNA-Redakteur Daniel Göbel aus Schwalmstadt. Er macht zurzeit Urlaub an der türkischen Mittelmeerküste, östlich von Antalya. Am Strand, wo sich auch viele deutsche Touristen befinden, hört er oft Sätze wie: „Das Leben muss ja weitergehen.“ Außerdem berichtet er: „Hier sind alle Menschen betroffen.“ Viele Urlauber würden die Nachrichten verfolgen. „Alle fragen sich, wer hinter dem Anschlag steckt.“

Von Elisa Mand, Christine Thiery, Claudia Brandau und Benedikt Dittrich

Quelle: HNA

Kommentare