In Prozess um  Gewalttod eines Guxhageners haben jetzt Rechtsmediziner das Wort

Kassel/Guxhagen. Es muss ein Blutbad gewesen sein. Nach dem Tod des 83-Jährigen, der im November 2010 in seinem Haus in Guxhagen erschlagen worden war, fanden die Ermittler überall Blut. An mehr als 80 Stellen nahmen sie Proben und ließen sie auf DNA-Spuren untersuchen.

Ergebnis: Nicht nur von dem toten Rentner stammte das Blut am Tatort, sondern auch von seiner Großnichte.

Seit Dezember muss sich die 61-Jährige aus Zierenberg vor dem Landgericht in Kassel verantworten. Am Donnerstag begann in dem Totschlagsprozess der vermutlich entscheidende Teil: die rechtsmedizinische Aufarbeitung. Laut Anklage soll die Frau auf ihren Großonkel, um den sie sich regelmäßig gekümmert hatte, erst mit einem Kerzenständer eingeschlagen und dann mit einem Küchenmesser eingestochen haben. Danach soll sie Feuer gelegt haben, um die Bluttat zu verdecken.

Tiefe Schnitte an den Händen

Wenigstens an dieser Reihenfolge besteht kein Zweifel: „Bei Brandausbruch hat der Mann schon nicht mehr gelebt“, sagte der Gießener Rechtsmediziner Prof. Marcel Verhoff. Denn der 83-Jährige habe keinen Ruß und kein Kohlenmonoxid mehr eingeatmet. Gestorben sei er vielmehr an dem Zusammenwirken von Blutverlust und Blut in der Lunge – Folgen seiner massiven Kopfverletzungen. „Die Zuweisung von eindeutigen Tatwerkzeugen ist fast nie möglich“, erklärte Verhoff. So könnten die tiefen Schnitte im Gesicht des Rentners sowohl von einem Messer kommen als auch von Scherben der vielen Flaschen, die in der Wohnung standen.

Ein unglücklicher Sturz statt einer gezielten Attacke? Theoretisch sei das möglich, sagte der Rechtsmediziner. Von den Schlagverletzungen am Hinterkopf aber könne höchstens eine auch beim Aufprall auf eine Tischkante entstanden sein. Für die anderen seien Schläge mit einem stumpfen Gegenstand verantwortlich – wie dem Kerzenständer, an dem sich Blut der Angeklagten und des Opfers gefunden hat.

Die 61-Jährige, die es als Einzige genauer wissen müsste, beruft sich auf Erinnerungslücken – ausgelöst durch Alkohol. Auch für ihre eigenen Verletzungen hat sie keine Erklärung. Dabei sind die tiefen Schnitte in ihrer Hand für den Rechtsmediziner sogar Belege dafür, dass auch sie angegriffen wurde: „Das sind typische Abwehrverletzungen“, sagte Verhoff. Zudem konnte an dem Messer, das als Tatwaffe gilt, nur das Blut der Frau nachgewiesen werden.

Was an jenem Novembertag in Guxhagen wirklich passiert sein könnte, will sich das Gericht am Montag erläutern lassen. Dann soll ein weiterer Rechtsmediziner den Tathergang anhand der Blutspuren rekonstruieren. (jft)

Quelle: HNA

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