Die Schnellbabbler von Badesalz hatten das Publikum schnell auf ihrer Seite

Auch Comedy kann rocken

Haben noch Dampf genug: Badesalz babbelten zum Kulturzelt-Auftakt von Leichtmetalldosen bis zu Lenas Satelliten-Song. Foto: Hoffmann

Wolfhagen. Rocken muss es. Ordentlich rocken. Schließlich startet ein mehrtätiges Kulturvent. Dass es dafür nicht zwingend einer Band mit wummernden Lautsprechertürmen bedarf, auch ein vermeintlich ruhigeres Zwei-Mann-Programm zünden kann, erlebten am Mittwochabend 770 Besucher im ausverkauften Kulturzelt auf den Teichwiesen – mit den Schnellbabblern von Badesalz. Auch nach mehr als 20 Jahren auf der Bühne ist den Comedy-Altmeistern der Dampf nicht ausgegangen.

Und dieser Dampf steigt bereits vor Beginn der Show aus dem Schornstein der kleinen Hütte – auf der zum Niemandsland gewandelten Kulturzeltbühne. Viel mehr tut sich da nicht, bis Peter Lembach alias Henni Nachtsheim in die Szenerie knallt. In der Hand die Überreste eines Paragleitschirms. Es ist ein Geschenk seiner Frau, geplante Flugzeit: „en gutes Viertelstündsche”. Alles gelogen! Der Schirm verhakt sich, lässt sich nicht lenken und fliegt sieben Stunden lang kreuz und quer durch die Luft. Bis der Schirm ausgerechnet über einem Wald und Wiesenstück die Landung beschließt.

Da steht er nun, ohne Handyempfang, kein Mensch weit und breit. Ratlos spricht der Hersteller von Leichtmetalldosen Nachrichten an seine Frau auf ein Diktiergerät, weiß nicht weiter, bis der skurrile Hüttenbewohner auftaucht. Der nennt sich Noah und hat eine eigentümliche Auffassung vom Leben.

Lembach bleibt nichts anderes übrig, als sich mit dem Leben in Noahs Welt zu arrangieren. Zu essen gibt es allerlei Köstlichkeiten vom „Natur-Rewe“, die „Bisamratt à la Berlusconi“ etwa, die eigentlich nur im Beisein eines 17-jährigen Mädchens zu genießen sei. Für den gestrandeten Lembach eine Herausforderung, die auf dem Klo-Eimer im Pappkarton endet. Noah versucht vergeblich, Peters Verstopfung mit Musik zu lösen. Bis Lenas „Satellite“ als „echtes Scheiß-Lied“ die ersehnte Erleichterung bringt.

Der derbe und zuweilen haarscharf an der Grenze zum Niveaulosen kratzende Humor trübt die Stimmung nicht. Das Publikum mag die Gags, ob beim hessisch-hochdeutschen Ratespiel oder dem Befüllen einer kleinen Holzkiste mit Kulturgut.

Auch wenn es Henni Nachtsheim und Gerd Knebel nicht durchgängig gelingt, die einzelnen Episoden zu einer runden Geschichte zu verweben, so beweisen sie dennoch mit ihrer urtypischen Mischung aus Gesellschaftskritik und sinnlosem Gebabbel, dass auch Comedy rocken kann.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

Kommentare