Auch mit 100 noch neugierig

Bekommt am Sonntag ihre zweite Null: Gertrud Kruhm. Foto: Koch

Neumorschen. „So alt zu werden, ist ganz schön, man müsste nur fitter bleiben“, sagt Gertrud Kruhm. Am Sonntag wird sie 100 Jahre alt. „Dann habe ich schon zwei Nullen in meinem Alter“, sagt sie und lächelt. Gertrud Kruhm muss daran denken, wie ihr Urenkel vor zwei Jahren zehn wurde, und stolz war zum ersten Mal zu nullen.

Am 29. Januar 1912 ist Gertrud Kruhm in Neumorschen geboren. Nach ihrer Konfirmation im Jahr 1926 ging sie nach Kassel, wo sie sechs Jahre bei einer Familie im Haushalt half. Das alles weiß Gertrud Kruhm noch ganz genau. „1936 habe ich meinen Mann Heinrich geheiratet, der war bei der Eisenbahn“, erzählt die alte Dame. Zusammen bekamen sie die beiden Söhne Wolfhard und Erwin.

In ihrem Leben ist Gertrud Kruhm oft umgezogen von Neumorschen nach Kassel, nach Guxhagen und später nach Bromberg in der Nähe von Danzig. Von dort musste sie 1945 zurück nach Neumorschen fliehen. „Das Einzige, was ich in meinem Leben nicht nochmal haben möchte, ist so eine Flucht“, sagt Gertrud Kruhm. Mit dem Zug ging es mehrere Tage und Nächte durchs Land. Obwohl dies schon über sechzig Jahre zurück liegt, sind die Erinnerungen noch sehr präsent: „Wir waren gerade aus Nauen raus gefahren, da wurde die Stadt dem Erdboden gleich gemacht.“

Alle anderen Erinnerungen von Gertrud Kruhm sind aber schöner Natur: „Ich bin zufrieden mit allem, was war. Ich hatte einen guten Mann, habe gute Söhne, Schwiegertöchter, Enkel, Urenkel und sogar ein Ururenkelchen.“

Ein Gläschen in Ehren

Ein Rezept, wie man 100 Jahre alt wird hat Gertrud Kruhm nicht. „Ein Gläschen Rotwein jeden Abend, und ich habe immer gegessen was auf den Tisch kam“, sagt sie.

Eines hat sich Gertrud Kruhm auch im Alter noch bewahrt: ihre Neugier. „Sobald irgendwo eine Sirene geht ruft meine Mutter unten bei uns an und fragt: Was ist denn los im Dorf?“, erzählt Sohn Erwin. Um zu wissen, was um sie herum passiert, liest Gertrud Kruhm - trotz schlechter Augen - jeden Tag die Zeitung. Dafür hat sie ein elektrisches Lesegerät. Das zeigt ihr die Schrift in großen Buchstaben auf einem Bildschirm. „Bis auf meine schlechten Augen komme ich noch gut zurecht“, sagt Gertrud Kruhm dankbar. Beim Aufstehen braucht sie jedoch etwas Hilfe. Jeden Morgen kommt deshalb Pflegerin Evelin Kass.

Am Sonntag wird mit Verwandten, Freunden und Bekannten im Neumorschener Pfarrsaal gefeiert. Das perfekte Geschenk zum 100. Geburtstag von Gertrud Kruhm: Zartbitterschokolade und Rotwein. (yvk)

Quelle: HNA

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