Sylvia Schenk: Ex-Schwalmschülerin und Top-Sportlerin hat sich international etabliert

Aufgeben war nie ihr Ding

Jahrelang Vorsitzende, inzwischen im Vorstand: Bei Transparency International kämpft Sylvia Schenk gegen Bestechung im Sport. Foto: dpa

Schwalmstadt. Ihren Auftritt im ZDF-Sportstudio hatte sich Sylvia Schenk anders vorgestellt. Erst wenige Tage alt war die umstrittene Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 nach Katar. Dazu sollte die Anti-Korruptionskämpferin am ersten Dezember-Samstag Stellung beziehen. In den Köpfen aller Beteiligten war an diesem Tag allerdings nur der tragische Unfall des Stuntman Samuel Koch, der sich gerade in „Wetten, dass…?“ ereignet hatte.

Entsprechend gedrückt war die Stimmung in Mainz, wo Schenk gemeinsam mit Moderator Wolf-Dieter Poschmann und dem ehemaligen FIFA-Funktionär Guido Tognoni dennoch für eine lebhafte Diskussion sorgte – vor einem Millionenpublikum. Schenk dürfte nicht erst seit jener Sendung zu den bekanntesten Absolventen des Treysaer Schwalmgymnasiums zählen.

Treysa und Homberg

1970 machte sie dort ihr Abitur, zuvor besuchte sie die Theodor-Heuss-Schule in Homberg. „Sehr gute Erinnerungen“, habe sie an die Schwalm und Nordhessen, betont Schenk: „Ich habe mich in Homberg und Treysa wirklich wohlgefühlt.“ Insgesamt acht Jahre ihres Lebens verbrachte sie in der Region. Zu dieser Zeit arbeitete ihr Vater als Brigadearzt in der Neustädter Kaserne.

Mittlerweile lebt die 58-Jährige seit vielen Jahren im Frankfurter Westend, zusammen mit Ehemann Franz-Josef und Tochter Maike. Wettbetrug, Nachhaltigkeit bei Großveranstaltungen, Datenschutz im Antidopingsystem und Korruption heißen dort die Themen, mit denen sich Schenk für die Organisation „Transparency International“ (siehe Stichwort) auseinandersetzt. Neben ihrer Tätigkeit als Anwältin in einer Frankfurter Kanzlei hat sie sich als bundesweit gefragte Expertin und Kämpferin für Transparenz etabliert. Sie belegte sogar in den Weihnachtsferien einen Russischkurs, um für die Diskussion um die olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und die Fußball-WM 2018 gerüstet zu sein.

„Immer wenn ich denke, es wird eine ruhige Woche, geht es meist richtig los“, sagt Schenk und lacht. „Sylvia hat immer schon ihren Beruf und ihre sportlichen Interessen sehr gut miteinander verknüpft“, betont Harald Schmidt. Schenks ehemaliger Klassenlehrer am Schwalmgymnasium erinnert sich gern an „eine angenehme, gute Schülerin“. Sogar auf Klassenfahrten sei sie morgens vor den anderen Schülern aufgestanden, um trainieren zu können.

Weltrekord und Olympia

Mit Erfolg: Schenk entwickelte sich zu einer der besten Mittelstreckenläuferinnen der Republik. 1971 stellte sie mit der 4-mal-800-Meter-Staffel einen Weltrekord auf, ein Jahr später nahm sie an den Olympischen Spielen in München teil.

Der Sport bestimmte schließlich auch den Umzug nach Frankfurt: Wegen ihres Wechsels vom ESV Jahn Treysa zur Leichtathletik-Abteilung der Frankfurter Eintracht schrieb sich Schenk an der Goethe-Universität ein. Heute ist sie in der Mainmetropole längst heimisch geworden. In Nordhessen weilt sie nur selten, höchstens zu Besuchen bei ihrer in Kassel lebenden Mutter. Oder zu den seltenen Klassentreffen des Schwalmgymnasiums, an dem Schenk eigentlich etwas nachzuholen hätte: Ihr Abschlusszeugnis holte im Sommer 1970 nicht die frischgebackene Abiturientin ab, sondern ihre Mutter Anneliese. Die ehrgeizige Leichtathletin schwitzte derweil im Trainingslager. DREI FRAGEN/STICHWORT

Von Steffen Schneider

Quelle: HNA

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