HNA-Artikel vom 31. März 2005: August Hartmann, Altbürgermeister in Breuna, erzählt

Die Amerikaner kamen aus der falschen Richtung: Aus Westen, von Volkmarsen her, hatten die Breunaer den Einmarsch erwartet. Und dort hatte auch der Volkssturm (hauptsächlich Rentner) entlang der Landstraßen „zur Verteidigung der Heimat“ Splittergräben ausgehoben. Doch die US-Truppen rückten am 31. März 1945 von Süden an, Panzer donnerten durch Niederelsungen nach Breuna. Dann ging alles sehr schnell, erinnert sich August Hartmann. Weiße Fahnen hingen aus den Fenstern, ein Omnibus voller deutscher Luftwaffensoldaten der Wolfhager Muna wurde am Ortseingang von Rhöda kommend nach kurzem Schusswechsel von den Amerikanern gestoppt. Die NSDAP-Größen wurden auf Wagen durch Breuna gefahren, anschließend an Dachrinnen gebunden der Bevölkerung zu Schau gestellt. Zuvor, erzählt der Breunaer Altbürgermeister, war ein Bombenteppich über dem Wettesinger Wald niedergegangen, vermutlich sollte die Muna getroffe n werden.

August Hartmanns Vetter Ludwig, der noch in den letzten Kriegsmonaten als Luftwaffenhelfer eingezogen worden war, kam am Vormittag jenes Ostersamstags vor 60 Jahren mit voller Ausrüstung über den Braunsberg zu rück zur Familie und berichtete, dass „die Amerikaner gleich da sind“. Gemeinsam gingen die Jungen zu Ludwig Hartmanns Elternhaus im Rottweg. Der Großvater mit Erfahrung aus dem 1. Weltkrieg versteckte sofort Uniform und Gewehr und sagte: „So, jetzt bist du ei n Zivilist.“ Bei späteren Kontrollen solle er angeben, dass er kein Soldat gewesen sei.

In den folgenden Stunden rückten Panzer und Fahrzeuge der US-Truppen über die Landstraße von Niederelsungen nach Breuna ein. Sie wurden durch den Ortskern Richtung Wettesingen und Oberlistingen geleitet. August Hartmann erinnert sich: „Die Breunaer verfolgten das mit großer Aufmerksamkeit.“ Und obwohl es streng untersagt war, zu fotografieren, machte Fritz Donath heimlich einige Aufnahmen. Auch von den Nazi -Größen, die von den Amerikanern zur Schau gestellt wurden – an die Dachrinne des Hauses von Julius Flörke in der Ortsmitte wurde der Vorsitzende der Breunaer NSDAP, Georg Schlenke, gebunden. Ähnlich erging es dem Forstwart Albert Weymann.

Hartmann: „Die beiden hatten Glück, sie kamen mit dem Schrecken davon.“ Kurz nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen wurde mit der Ortsschelle bekannt gemacht, dass alle Waffen, Ferngläser und Fotoapparate beim Haus des Bürgermeisters Georg Appell abzugeben seien. „Alles wurde auf einen Haufen geworfen und angezündet.“

Tragischer Unfall wenige Wochen nach dem Einmarsch: „Bei dem gestoppten Muna- Omnibus waren an der Rhödaer Straße einige Panzerfäuste im Graben liegen geblieben. Jugendliche spielten mit den Waffen. Eine Panzerfaust zündete, und Friedhelm Döring kam im Alter von fünf Jahren ums Leben.“ Ein paar Jahre später fanden Jugendliche im Rhödaer Holz beim Bucheneckersammeln eine Handgranate, vermutlich auch aus dem Muna-Bus. Dabei kamen Fritz Hirdes, zehn Jahre, zehn Jahre, und Anna Büscher, sieben, ums Leben.

Elf deutsche Soldaten hingerichtet 

Urplötzlich, erinnert sich August Hartmann, seien a m Tag des Einmarsches der Amerikaner deutsche Soldaten aufgetaucht – Luftwaffensoldaten der Muna Wolfhagen, mit Handfeuerwaffen ausgerichtet. Ein Bus wurde am Ortseingang aus Richtung Rhöda gestellt, die Soldaten erst ins Raiffeisenlager an der Escheberger Straße gesperrt, später in ein Gefangenenlager abtransportiert.

Ein zweiter Muna-Omnibus wurde im unteren Rhödaer Holz gestellt, er war von Volkmarsen über den Weißen Weg gefahren, um so das besetzte Breuna zu umgehen. Auch hier ging der überwiegende Teil der Soldaten in Gefangenschaft. Elf versteckten sich im Unterholz, wurden aber geschnappt. Zur Strafe, weil sie sich nicht so fort ergeben hatten, wurden sie an Ort und Stelle standrechtlich erschossen und in einer Reihe aus dem späteren Soldatenfriedhof.

Quelle: HNA

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