Das Schwälmer Jahrbuch wartet wieder mit viel Wissenswertem und Kuriosem auf

Augusta gefiel die Tracht

Das Schwälmer Haus zu Cassel: Es entstand 1905 in der Karlsaue und ist Thema im neuen Schwälmer Jahrbuch. Repro:  HNA

Schwalm. Es findet sich in sehr vielen wohlsortierten Bücherregalen keineswegs nur in der Schwalm und hat Aufnahme selbst in wissenschaftliche Bibliotheken gefunden: Das Schwälmer Jahrbuch. Die neueste Ausgabe für 2011 ist jetzt im örtlichen Buchhandel zu haben.

Beim Stöbern und Schmökern zum Beispiel in der freien Zeit zwischen den Jahren findet sich wieder allerhand Wissenswertes und ein wenig Unerwartetes. Es ist wieder eine erkleckliche Reihe von Autoren, die Jahr für Jahr forscht, sammelt und Wissen hebt oder erhält.

Bierbrauereien in der Schwalm-Knüll-Region: Unter dieser Überschrift trägt Helmut Fälber zusammen, was das Brauen anno dazumal erforderte und wo es hierzulande praktiziert wurde. In Ober-aula zum Beispiel ging die Tradition jäh zu Ende – die Kupferkessel von Meister Johannes Hofmann wurden im 1. Weltkrieg konfisziert und zu Kanonen eingeschmolzen. Auch in Ottrau gab es eine Brauerei, die Brauerzeugnisse waren den Quellen zufolge allerdings zweifelhafter Qualität. Bier gebraut wurde auch in Schwarzenborn, Frielendorf und Neukirchen, mehrere Brauhäuser und eine Abfüllanlage sind in Ziegenhain bekannt. Geblieben ist die Brauerei Haaß in Treysa, die 1990 ihren 100. Gründungstag feierte.

Was hat Shanghai mit Schwarzenborn zu tun?, fragt Barbara Greve und erzählt auf zwölf mit historischen Fotos bebilderten Seiten die Lebensgeschichte der Jüdin Sonja Kaiser, die im Frühjahr 1939 als Fünfjährige mit ihrer Familie auswanderte. Es wird zurückgeblendet in die Jahrzehnte vor der geglückten Flucht, zahlreiche Orte wie Gilsa und Ziegenhain kommen darin vor.

Anderthalbmal Dritter Frielendorf-Kassel über Malsfeld und zurück, so ist der Beitrag von Waltraud Reese-Rink überschrieben. Sie berichtet darin über das reisen ab Frielendorf in den 30er Jahren: Etwas zum Schmunzeln.

Von der Jubiläums-Gewerbe-Ausstellung Cassel 1905 berichtet Gerhard Seib Neues über das Schwälmer Haus (siehe Foto). Es war 1905 in der Karlsaue errichtet worden und wurde bei Kassel-Nordshausen neu aufgebaut, wo es heute noch steht.

Auch gibt es mehrere alte Texte, zum Beispiel Hermann von Pfister, Wie mein Vater um 1825 die Schwälmer fand. Der Verfasser beschrieb akribisch die Schwälmer Tracht, etwa dass die Mützen mit den sehr breiten Seidenbändern bei „Jungfrauen und ungesegneten Gattinnen rot“ sind. Die alte Sprache ist dennoch gut verständlich, und Kenner dürften vieles entdecken, das sich später wandelte. Wunderbar auch der Bericht über den Besuch der Kaiserin Augusta 1878 in Treysa: „Allerhöchstdieselbe hoffte, die Landbevölkerung bei einem künftigen Besuche wieder in der Nationaltracht zu sehen“.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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