Viele Naumburger Unternehmen trotzen dem demografischen Wandel

Ausbauen statt aufgeben

Viel Platz: Die große Halle mit den drei Rolltoren ist der neueste Anbau an den Gebäudekomplex der Kfz-Werkstatt Hofmann. Frank Hofmann hat den Betrieb erweitert, wie sein Vater und sein Großvater vor ihm. Fotos: Kessler

Naumburg. Der demografische Wandel macht auch vor dem Wolfhager Land und den dort ansässigen Unternehmen nicht Halt. Doch nicht alle werfen die Flinte ins Korn – besonders in Naumburg halten viele Unternehmer ihre Betriebe nicht nur am Laufen, sondern expandieren noch.

In dritter Generation betreibt Frank Hofmann eine Kfz-Werkstatt mit Tankstelle in Naumburg. „Es braucht schon viel Einsatz. Ich arbeite sieben Tage in der Woche zwölf bis 13 Stunden“, sagt er. Den Betrieb so aufrecht zu erhalten, ginge nur mit der Unterstützung der ländlichen Bevölkerung.

„Würden die Leute nur ihre Radschrauben bei mir kaufen, aber die Räder im Internet bestellen, ginge das nicht“, fügt er an. Man würde unter dem Strich nicht sparen, wenn man von Naumburg nach Kassel fahre, um dort Teile für ein paar Euro weniger zu kaufen. „Auch die Fahrtkosten muss man mit einrechnen“, sagt Hofmann.

„Franks Großvater Heinrich hat nach dem Krieg in einer Wellblechgarage angefangen“, erzählt Herbert Hofmann, Vater des heutigen Chefs. „1955 hat er die erste Halle von neun mal elf Metern gebaut, und 1958 bis ‘59 das Wohnhaus oben drauf.“ Seitdem wurden die Gebäude von jeder Generation mehrmals erweitert, eine Waschanlage und die Tankstelle kamen hinzu. „Immer so, wie der Betrieb es erforderte“, fügt der Seniorchef an.

Heute hat die Firma Hofmann einen mitarbeitenden Meister, einen Alt- und einen Jung-Gesellen sowie eine Auszubildende. „Einschließlich der Familie arbeiten hier acht Leute“, so Herbert Hofmann.

Neue Teile aus alten Autos

Ein weiteres Beispiel ist das Espace-Haus Madcom. Die Firma liefert gebrauchte und neu angefertigte Ersatzteile für Renault Espace-Modelle. „1999 sind wir von Balhorn nach Naumburg gezogen, zuerst in einen kleinen Laden, dann in einen größeren. Seit 2002 sind wir hier in der Industriestraße“, erzählt Inhaber Andreas Weimann. Die Halle sei ausgebaut worden, dennoch stünde der nächste Umzug in eine neu gebaute Halle kurz bevor. „Wir haben uns schrittweise vergrößert, das ist ein gesundes Wachstum“, berichtet er. „Man muss aber auch an die Umwelt und die Betriebskosten denken. Dieses alte Gebäude hier ist nicht isoliert“, fügt er hinzu. Auch das Wiederverwerten alter Fahrzeuge käme der Umwelt zugute.

Der Betrieb ist für die Verwertung von Altautos zertifiziert. Andreas Weimann kauft alte Renault Espace, schlachtet sie aus oder arbeitet sie auf. Kundenfahrzeuge werden repariert oder umgebaut. „Wir stellen manche Teile auch selbst her oder beziehen sie direkt von den Zulieferern, die sie früher an Renault geliefert haben“, sagt Weimann. Zur Zeit hat die Firma vier Angestellte. „Wir suchen noch Personal, aber es ist schwer, jemanden zu finden“.

Von Patrick Kessler

Quelle: HNA

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