Fragen und Antworten zum Ziegenhainer Gefängnis

Gut ausgebildet in der JVA: Justizministerin besuchte Ziegenhainer Gefängnis

Ziegenhain. Am Mittwoch machte sich Justizministerin Eva Kühne-Hörmann ein Bild von der Arbeit und Ausbildung im Strafvollzug in der JVA Ziegenhain. Die Fakten.

Welche Arbeitsmöglichkeiten gibt es in der JVA Ziegenhain? 

Insassen können als Zimmerer, Koch, Metallbauer und Mechaniker arbeiten oder sich in diesen Berufen ausbilden lassen. Die Ausbildungen dauern je zwei Jahre. Ziel sei eine realistische und professionelle Ausbildung, sagt Kühne-Hörmann. Eine Weiterbildung soll nach der Haftentlassung durch die unterrichteten Module möglich sein.

Wie läuft die Arbeitsplatzvergabe ab? 

Per Ausschreibung. Die Bewerbungen in der JVA werden nach Kriterien wie der Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt, dem Alter und der verbleibenden Haftdauer geprüft, erklärt Frank-Helmut Welz-Detroy vom pädagogischen Dienst. Dabei gebe es mehr Bewerbungen als freie Ausbildungsplätze.

Wie viele Insassen der JVA Ziegenhain haben eine Beschäftigung?

Laut Mitteilung vom Ministerium sind 78 Prozent der Gefangenen in Ziegenhain beschäftigt. Der Schnitt in den JVA in Hessen liegt nach Angaben des Ministeriums bei 64 Prozent. Angepeilt seien im Durchschnitt 70 Prozent Beschäftigung.

Warum ist die Quote in der hiesigen JVA so gut?

Wohl auch, weil die Insassen im Schnitt acht Jahre einsitzen. Die lange Strafdauer führe oft zu einer höheren Bereitschaft, die Zeit sinnvoll zu nutzen, sagt Eva Kühne-Hörmann.

Wie viele Insassen bestehen ihre Ausbildung?

Fast alle. Bei den Zimmermännern ist in 28 Jahren nur ein Azubi durchgefallen. Bei den Köchen waren es in 25 Jahren weniger als Fünf, sagt deren Ausbildungsleiter Gerd Conradi.

Die ausgehändigten Gesellenbriefe lassen übrigens nicht erkennen, dass die Ausbildung in der JVA stattfand. Und: Selbst wenn die Ausgebildeten draußen keine Anstellung in ihrem Berufsfeld bekämen, stiegen ihre Chancen immer noch, überhaupt eine Anstellung zu finden, so JVA-Leiter Jörg Bachmann.

Weshalb ist die Arbeit im Strafvollzug wichtig?

Zum einen um den Insassen eine Beschäftigung zu geben. Laut Bachmann ist die Tätigkeit im Gefängnis eine Vorbereitung fürs Leben. Zudem stelle die Beschäftigung die Insassen zufrieden. Zum anderen weist Eva Kühne-Hörmann daraufhin, dass es sich vor allem um einen Opferschutz und keinen Täterschutz handele. Es gehe darum, dass die Täter nach der Haftentlassung nicht wieder rückfällig werden und es so keine neuen Opfer gebe.

Welz-Detroy ergänzt, dass die Ausbildung im Gefängnis eine größere Sicherheit für die Gesellschaft bedeute.

Wer führt den Unterricht durch?

!Die Justiz übergibt den Auftrag an Träger. Meist sind diese die Berufsschulen. Von ihnen kommen Lehrer in die Anstalten. Das Niveau der Ausbildung ist somit gleich dem in den Berufsschulen. Für die Lehrer seien die Bewegungsabläufe laut Welz-Detroy zunächst eine Umstellung. Beispiel: Das ständige Auf- und Zuschließen der Türen.

Was sagen die Insassen zu den Möglichkeiten?

!Yusuf E., der eine Ausbildung im Metallbau absolviert, sagt: „Für mich ist die Ausbildung sehr motivierend und lehrreich. Es ist schön, in diesem Rahmen frei und selbstständig arbeiten zu können.“ Hans Joachim H. sagt: „Die Tätigkeit bringt eine Struktur in den Tagesablauf.“

Quelle: HNA

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