Aussöhnung über tausende Kilometer

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Rückkehr zu den Wurzeln (von links): Shlomo Kann, Yael Kann Kachlon, Anat Kann und Tamar Kachlon besuchten Wolfhagen.

Wolfhagen. Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Ludwig Kann und Ralph Mollerick in dieser Woche zog weitere Veranstaltungen und Ehrungen ehemaliger jüdischer Bürger Wolfhagens nach sich:

Aus New York kamen die Nachkommen Theodor Krons angereist, um eine Gedenktafel am Geburtshaus ihres Großvaters an der Mittelstraße 26 zu enthüllen. Auch die Familie Kann aus Israel machte Station in Wolfhagen, um die deutschen Wurzeln der Familie kennenzulernen und sich mit der Vergangenheit auszusöhnen.

6186 Kilometer entfernt

6186 Kilometer liegen zwischen Wolfhagen und New York City in den Vereinigten Staaten von Amerika. Von Israel aus muss man immerhin noch 3087 Kilometer bis in die nordhessische Stadt zurücklegen. Doch im Zuge der Feierlichkeiten für die beiden neuen Wolfhager Ehrenbürger Ludwig Kann und Ralph Mollerick nahmen ganze Familien die weiten Wege auf sich, um gemeinsam die christlich-jüdische Aussöhnung voranzutreiben.

Eigens aus New York angereist waren Dr. James Kron-Stulman, Laura Stulman-Cooper und Jessica Sheinman-Stulman, um vor dem Wolfhager Geburtshaus ihres Großvaters Theodor Kron an der Mittelstraße 26 eine Gedenktafel zu enthüllen. Sichtlich bewegt erinnerte sich James Kron-Stulman an seine Großeltern, die das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1938 in Richtung Vereinigte Staaten von Amerika verlassen mussten. Niemals hätten sie schlecht über ihr Heimatland gesprochen – im Gegenteil: „Wir Enkelkinder wuchsen mitten in New York mit deutschen Erzählungen, Geschichten und Märchen auf“, sagt James Kron-Stulman.

Seine Mutter Elga Lieselotte Kron dagegen habe es abgelehnt, in die alte Heimat zurückzukehren. „Für uns als Enkelgeneration ist es daher der erste Besuch in Wolfhagen“, ergänzt Laura Stulman-Cooper. „Wir sind begeistert, wie freundlich uns die Menschen willkommen geheißen haben.“

Vater wird Ehrenbürger

Gleich vier Familiengenerationen begleiteten Wolfhagens neuen Ehrenbürger Ludwig Kann. Sein Sohn Shlomo Kann kam mit seiner Frau Anat, Tochter Yael Kann-Kachlon und der achtjährigen Enkeltochter Tamar Kachlon aus Israel nach Wolfhagen. Dies sei ein besonderer Schritt für die Familie, betonte Shlomo Kann. Ihm sei es wichtig gewesen, zu den Wurzeln seiner Familie zurückzukehren. Enkelin Tamar habe für die besondere Reise nach Wolfhagen sogar extra schulfrei bekommen.

Die Weitgereisten nutzten die Zeit auch für einen Besuch der Ausstellung „Legalisierter Raub“ im Regionalmuseum Wolfhager Land.

Während Familie Kann direkt nach den Feierlichkeiten rund um die Verleihung der Ehrenbürgerschaft den Heimflug antritt, bleiben die Stulmans noch einige Tage in der Region. Auf dem Programm stehen unter anderem noch der Gang über den Jüdischen Friedhof in Kassel und ein Besuch des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen.

Auch für Bürgermeister Reinhard Schaake war der generationsübergreifende Besuch ein wertvolles Erlebnis. Jetzt müsse man verstärkt mit der jungen Generation arbeiten – denkbar sei, einen Jugendaustausch zur christlich-jüdischen Aussöhnung zu entwickeln. „Der Jugend- und Kinderchor aus Kassel und die Jugendpflege im Landkreis arbeitet schon an einigen Projekten“, sagte der Bürgermeister.

Quelle: HNA

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